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Das Wirtschaftsmagazin

Die Erbschaftssteuer abzuschaffen wäre maximal undemokratisch

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Die AfD will die Erbschaftssteuer abschaffen und Teile der FDP fordern das jetzt auch. Was ich von dieser Idee halte? Ziemlich unsozial und vor allem aber undemokratisch. Warum? Als wir damals, 1919, die Demokratie aus der Taufe hoben, war die Erbschaftssteuer die erste aller Steuern, an die unser damaliger Reichsminister der Finanzen, Matthias Erzberger, ein richtig cooler Typ, ran wollte, weil er die Monarchie abstreifen wollte. Er wollte die Demokratie gründen.

Wenn wir jetzt also die Erbschaftssteuer wieder abschaffen würden, was hätten wir? Neofeudalismus, Feudalismus 2.0. Warum? Weil es dann zunehmend darauf ankommt, in welche Familie man hineingeboren wird. Und das geht mit unserem Demokratieverständnis einfach nicht einher. Wir besteuern in Deutschland Einkommen extrem hoch. Im internationalen Vergleich sind wir auf Platz zwei aller Länder. Nur Belgien besteuert Einkommen noch höher. Wir haben die Vermögensteuer schon ausgesetzt, die bräuchten wir eigentlich dringend wieder. Und die Erbschaftssteuer ist auch eine Form von einer Vermögensteuer.

Wenn wir die jetzt abschaffen – das hat die OECD wunderbar aufgezeigt in einer Berechnung –, würden wir beobachten, wie das Vermögen von reichen Familien exponentiell durch die Decke geht. Und das heißt, es käme immer mehr und immer weiter darauf an: In welche Familie wirst du geboren? Also, erbst du schon oder arbeitest du nur? Wie gesagt, das hat mit Demokratie herzlich wenig zu tun. Willkommen im Neofeudalismus. Das ist nämlich das, was man am Ende bekommt, wenn man AfD und FDP wählt.

Martyna Linartas

Martyna Linartas ist Ungleichheitsforscherin und Herausgeberin von Surplus. Sie hat die Wissensplattform ungleichheit.info mitgegründet und das Buch »Unverdiente Ungleichheit« (Rowohlt) veröffentlicht.