Die gegenwärtige KI-Debatte leidet an einer sich zuspitzenden Diskrepanz zwischen Wunsch und Wirklichkeit. Die Technologie wird wahlweise als vierte industrielle Revolution, Finanzblase, geopolitisches Wettrennen, anstehende Singularität, Megahype der amerikanischen Tech-Elite, klima- und sozialpolitisches Desaster oder schlichtweg als Robotisierung des Menschen ausgelost. Die neuen KI-Systeme stoßen jedoch seit der Einführung von ChatGPT im November 2022 langsam an ihre technischen Grenzen und die erwarteten Produktivitätsgewinne für Unternehmen bleiben zunehmend aus. Ein möglicher Grund für die langsam eintretende Enttäuschung ist, dass etwa große Sprachmodelle (LLM) die Produktion von hochwertiger Arbeit abnehmen sollte, tatsächlich aber nur inhaltlich unzureichende Arbeit (Workslop) erleichtern. Dadurch wird der Arbeitsaufwand lediglich verlagert: Statt selbst zu produzieren, müssen Arbeitende die Ergebnisse der KI dann prüfen, korrigieren oder neu erstellen.
Nichtsdestotrotz fließt weiterhin enorm viel spekulatives Risikokapital in die privatisierte Technik. Vor allem das oligopolistische Silicon Valley treibt die gesellschaftlichen Hype-Zyklen vor sich her. Der Börsengang von SpaceX und die Tatsache, dass Elon Musk dadurch der erste Billionär der Geschichte geworden ist, stehen beispielhaft für die zunehmende Konzentration wirtschaftlicher und technologischer Macht. Zwar ist SpaceX kein reines KI-Unternehmen, doch kontrolliert es mit Starlink eine zentrale Kommunikationsinfrastruktur, während es gleichzeitig in den Bereichen KI, Mobilität, Energie und Raumfahrt aktiv ist.
Damit entstehen proprietäre Datenplattformen, in denen sich technologische Innovation, ökonomische Ressourcen und eben auch gesellschaftliche Zukunftsentwürfe bündeln. Aus der Perspektive von Musk erscheint die Besiedlung des Mars nicht lediglich als wissenschaftliches Projekt, sondern als politische Imagination. Anstatt also die zunehmenden Widersprüche kapitalistischer Modernisierung auf der Erde zu lösen, sollen sie durch technologische Innovation und räumliche Expansion überschritten werden. Die Zukunft liegt – geht es nach dem Silicon Valley und dessen Unterstützern – nicht in der Reform bestehender Gesellschaften, sondern in der Erschließung neuer Welten.