Setzt sich der Aufstieg der Stablecoins ungebrochen fort, ist die Zukunft unseres Zahlungssystems eine öffentlich-private Partnerschaft zur Maximierung von privaten Renditen. Sie kommt, getarnt als technologischer Fortschritt, in Gestalt von Stablecoins daher. Entstanden inmitten der Krypto- und Bitcoin-Volatilität um 2014, waren Stablecoins zunächst eine stabilere Alternative unter Kryptoinvestorinnen. Durch den GENIUS Act, den der US-Kongress im Juli 2025 verabschiedete, sichert der US-Staat durch Stablecoins nun jedoch die Nachfrage nach seinen Staatsanleihen sowie die US-Dollar-Dominanz auf internationaler Ebene. Insbesondere in Ländern mit volatilen nationalen Währungen zementiert die Nachfrage nach Stablecoins damit Abhängigkeiten. Doch was sind Stablecoins, und welche machtpolitischen Fragen verstecken sich hinter dem Bild von technologischem Fortschritt und Effizienz?
Stablecoins stellen einen digitalen Vermögenswert dar, der von einem privaten Unternehmen ausgegeben wird und auf einer Blockchain, also auf einer dezentralen digitalen Datenbank, lebt. Seinen Wert erhält der Stablecoin, indem er an eine Wertquelle außerhalb der Blockchain gekoppelt wird – etwa an eine dem Anschein nach sichere Fiatwährung oder Rohstoffe wie Gold oder Öl
Deutlich seltener sind algorithmische Stablecoins, die auf Algorithmen angewiesen sind, um das Token-Angebot abhängig von der Nachfrage dynamisch anzupassen.
Die meistgenutzten – Tether (USD₮) und Circle’s USD Coin (USDC) beispielsweise – sind an den USD gekoppelt, sind also fiat-besicherte, zentral verwaltete Stablecoins. Sie stellen somit einen digitalen Dollar-Bon von einer privaten Firma dar. Ihr Versprechen lautet:
»Für jeden Token, den wir ausgegeben haben, liegt ein echter Dollar (oder gleichwertige sichere Staatsanleihen) auf unseren Bankkonten und in unseren Tresoren.«
Sowohl USD₮ als auch USDC sind zentral verwaltet, weil die privaten Firmen wie Tether und Circle über zentrale Verwaltung Transaktionen sowie Konten »einfrieren« können und damit sperren. Die dezentrale Hoffnung der frühen Crypto-Anarchisten ist spätestens jetzt zu einem Albtraum geworden. Um das Verhältnis zwischen Stablecoins und dem US-Dollar näher zu verstehen, sind die Prozesse von Erzeugung (Minting) und Vernichtung (Burning) ausschlaggebend. Erst überweist eine Kryptobörse wie Binance eine Summe X – sagen wir 10 Millionen echte USD – an Circle oder Tether. Diese bestätigt den Geldeingang auf ihrem Bankkonto und initiiert einen Smart Contract auf der Blockchain (meist Ethereum, Solana, Tron, et cetera). Mithilfe dieses Smart Contracts werden dann 10 Millionen neue Stablecoins erzeugt (›gemintet‹) und an die Kryptobörse geschickt. Die Stablecoins können anschließend sekundär an Börsen wie Binance gehandelt werden, wo auch wir sie kaufen können. Das »Burning« funktioniert ähnlich, nur entgegengesetzt.
So besitzen wir anschließend keinen echten Dollar, sondern ein privates Versprechen – und wenn die Firma pleitegeht, die Reserven nicht ausreichen oder die Regierung Regulierungen verändert, kann der Stablecoin-Token an Wert verlieren oder von den privaten Anbietern eingefroren werden. Das ist nicht nur hypothetisch. Im März 2023, als die Silicon Valley Bank (SVB) kollabierte, fiel der USDC kurzzeitig auf 0,87 USD, weil Circle 3,3 Milliarden Dollar bei genau dieser Bank liegen hatte. Tether hielt damals keine Reserven bei der SVB und blieb stabil.
