Steigende Preise sind politischer Sprengstoff. Sie schüren die Unzufriedenheit mit der Regierung und treiben den Rechtspopulisten Stimmen zu, so lautet die verbreitete Diagnose seit dem Inflationsschub der Jahre 2021 bis 2023. Ein neues Experiment aus Deutschland zeigt jetzt, dass dieselbe Unzufriedenheit auch in eine andere Richtung gelenkt werden kann.
Wie Narrative über Inflationsursachen politische Präferenzen verschieben, haben die Forschenden Victoria Hünewaldt (Uni Siena) und Max Weinig (Uni Hamburg) in einem Umfrage-Experiment untersucht. Für ihr kürzlich erschienenes Arbeitspapier befragten sie im Dezember 2024 insgesamt 4150 Menschen in Deutschland, weitgehend repräsentativ ausgewählt. Die Hälfte las einen von drei kurzen, per Zufall zugeteilten Auszügen aus der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Der erste erklärte die Inflation mit aufgestauter Nachfrage nach der Pandemie, der zweite mit der Energiekrise, der dritte mit der Preistreiberei der Unternehmen. Eine Kontrollgruppe erhielt keinen Text. Danach bewerteten alle, wie stark verschiedene Gruppen von der Inflation betroffen waren, und äußerten ihre Zustimmung zu zehn wirtschaftspolitischen Maßnahmen.
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