Guten Morgen,
es wird eine absurde Woche und ja, das Wort ›absurd‹ wird heute noch mehrmals in diesem Wochenbrief vorkommen. Es wird absurd, weil Trump seine Grönland-Pläne mithilfe von Zöllen gegen einige europäische Länder durchdrücken will. Und weil er diese Woche nach Europa zum Weltwirtschaftsforum kommt.
Die wirtschaftlich wichtigsten Termine der Woche sind:
- Die ganze Woche: Wie antwortet die EU auf die Grönland-Sanktionen?
- Die ganze Woche: Weltwirtschaftsforum in Davos
Die ganze Woche: Wie antwortet die EU auf die Grönland-Sanktionen?
Was letzte Woche noch nach einem absurden Plan von Trump klang, wird jetzt schon ernst. Vergangene Woche zeigte ich hier im Wochenbrief, über welche Ansätze man den Wert von Grönland ermitteln könnte – wenn man Trumps absurdem Plan einen Funken Ernsthaftigkeit unterstellt.
Da war noch nicht abzusehen, wie ernst es Trump meint. Jetzt kündigte er am Samstag Zölle gegen Deutschland, Dänemark, Norwegen, Schweden, Frankreich, Großbritannien, Niederlande und Finnland an. Grund ist die ablehnende Reaktion dieser Länder auf die geplanten Grönlandübernahme der USA.
Die Zölle sollen am 01. Februar mit 10 Prozent starten. Ab dem 01. Juni könnten sie auf 25 Prozent erhöht werden. Ziel ist laut Trump eine »Einigung über den vollständigen und kompletten Kauf Grönlands«. Zum Vergleich: Trumps kündigte beim »Liberation Day« im vergangenen Jahr Zölle in Höhe von 20 Prozent an – was massive wirtschaftliche und politische Folgen hatte.
Jetzt wurden bereits die ersten Forderungen nach Gegensanktionen erhoben:
- Einige Fraktionen des EU-Parlaments, wie die EVP, wollen die Ratifizierung des Zollabkommens von vergangenem Jahr aufschieben, bei dem Zölle von 15 Prozent vereinbart worden sind.
- Die EU bereitet Gegenzölle aus 2025 auf US-Exporte im Wert von 93 Milliarden vor.
- Macron will erstmals das Anti-Coercion-Instrument (Instrument zur Bekämpfung von Zwangsmaßnahmen) der EU als rechtliche Grundlage für Gegenmaßnahmen anwenden, wie zum Beispiel eine Beschränkung des Zugangs zum EU-Markt für US-Unternehmen.
- Bernie Sanders fordert, dass der US-Kongress Trumps Plänen nicht zustimmt.
- Lars Klingbeil kündigte eine europäische Antwort auf Trumps Drohung an.
»Für eine Besteuerung der Ultrareichen gibt es kein technisches Hindernis: Es ist vielmehr eine Frage des politischen Willens.« Gabriel Zucman
Gabriel Zucman forscht seit Jahren zum Thema Steuergerechtigkeit und wurde von einem der reichsten Menschen der Welt für seine Vorschläge für eine Reichensteuer diffamiert. In seinem neuen Buch erläutert er, wie eine solche Steuer funktionieren kann – auch in Deutschland.

Die ganze Woche: Weltwirtschaftsforum in Davos
Am Montag beginnt das diesjährige Weltwirtschaftsforum in Davos. Auch das könnte absurder kaum sein: Donald Trump ruft mit seinen Grönland-Plänen enormen Widerspruch in Europa hervor. Nun kommt er nach Europa. Die Stimmung dürfte nicht besonders rosig sein. Doch die Spannbreite der möglichen Ergebnisse könnte auch nicht kleiner sein: von Dialog und Deals bis hin zu einer weiteren Eskalation. Immerhin steht das diesjährige Weltwirtschaftsforum unter dem Motto: Im Geiste des Dialogs.
Insgesamt werden 3000 Teilnehmer erwartet, darunter 850 Topmanager und 60 Staats- und Regierungschefs. Von den G7 sind sechs Länder vertreten. Auch Kanzler Merz und Vizekanzler Klingbeil nehmen teil. So trifft sich Friedrich Merz am Mittwoch mit internationalen Investoren und hält am Donnerstag eine Rede darüber, wie Brücken zu Investoren und internationalen Partnern gebaut werden können.
Viele der Events werden per Video übertragen. Auch Surplus-Herausgeber Adam Tooze ist auf mehreren Panels vor Ort, unter anderem mit US-Handelsminister Howard Lutnick, Kanadas Finanzminister François-Philippe Champagne sowie EZB-Chefin Christine Lagarde und Blackrock-CEO Larry Fink (überträgt die New York Times als Livestream).
Weitere wichtige Wirtschaftstermine diese Woche:
- Montag, 19. Januar: Friedrich Merz trifft Mario Draghi zur Stärkung der europäischen Wettbewerbsfähigkeit
- Dienstag, 20. Januar: Destatis gibt den Erzeugerpreisindex bekannt
- Dienstag, 20. Januar: Neue ZEW-Umfrage zur Wirtschaftslage
- Mittwoch, 21. Januar: Das Bundeskabinett tagt

Ich hoffe, dass Dir dieser Newsletter einen guten Überblick über die kommende Woche gegeben hat. Falls er Dir gefallen hat, schick diesen Newsletter gerne weiter oder schick mir Feedback, wie er noch besser werden könnte.
Einen guten Start in die Woche
Lukas Scholle
