In dieser Woche kommen in New York Delegierte aus aller Welt zusammen, um über das geplante Rahmenübereinkommen der Vereinten Nationen über internationale Zusammenarbeit in Steuerfragen zu verhandeln – ein wegweisendes Abkommen, das die globale Steuerkooperation inklusiver und wirksamer machen soll. Sollte es angenommen werden, wäre es die folgenreichste Reform des internationalen Steuersystems seit fast einem Jahrhundert und würde grundlegend verändern, wie Staaten multinationale Konzerne und möglicherweise auch die reichsten Personen der Welt besteuern.
Eine neue Studie des globalen Gewerkschaftsdachverbands Public Services International (PSI) und des Tax Justice Network unterstreicht, wie dringend das internationale Steuersystem reformiert werden muss. Auf Grundlage öffentlich verfügbarer länderbezogener Berichtsdaten schätzt sie, dass Staaten jährlich zusätzlich 500 Milliarden US-Dollar an Unternehmenssteuern einnehmen könnten, wenn das heutige Prinzip »pay where you say« (zahlen, wo man es angibt) durch den Ansatz »pay where you play« (zahlen, wo man tatsächlich wirtschaftet) ersetzt würde.
Das gegenwärtige System beruht auf hundert Jahre alten Regeln, die ihren Zweck längst nicht mehr erfüllen. Weil Staaten multinationale Konzerne dort besteuern dürfen, wo diese ihre Gewinne ausweisen, und nicht dort, wo sie sie erwirtschaften, belohnt es Unternehmen dafür, steuerpflichtige Erträge vor der Deklaration in Steueroasen zu verschieben.
