Dramatische Schlagzeilen aus der Industrie fachen die hitzige Sozialstaatsdebatte weiter an: Bei Volkswagen sollen bis zu 100.000 Stellen wegfallen, fast ein Sechstel der Belegschaft. Vier deutsche Werke sollen schließen, sobald die dort gebauten Modelle auslaufen: Hannover, Zwickau, Emden und das Audi-Werk in Neckarsulm. Die Konzernführung äußert sich bislang ausweichend. Volkswagen ist damit nicht allein. Jüngsten Zahlen zufolge gingen im verarbeitenden Gewerbe zuletzt 15.000 Jobs pro Monat verloren. Da es sich um vergleichsweise gut bezahlte Arbeitsplätze handelt, werden auch die Kosten für das Arbeitslosengeld in den kommenden Monaten deutlich steigen.
Die Quittung für eine verfehlte Politik
Diese Meldungen sind nicht nur, aber auch ein Ergebnis einer verfehlten Industriepolitik, die über Jahrzehnte auf kurzfristige Gewinne und wachsende Marktanteile setzte, während sie den technologischen Umbau wichtiger Branchen immer wieder aufschob. Wer die heutige Krise allein mit der schwachen Konjunktur, der chinesischen Konkurrenz oder der lahmenden Nachfrage nach Elektroautos erklärt, greift zu kurz – auch wenn all diese Faktoren eine Rolle spielen. Doch die Ursachen der Krise reichen zwei Jahrzehnte zurück.
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