Es ist fünf Uhr dreißig. Der Himmel über Leskovac ist noch dunkelblau, nur aus den Straßenlaternen kommt spärliches gelbes Licht. Verwaist liegen mehrere flache Hallen am Rand der kleinen Stadt. Dann halten plötzlich Busse, Autos und klapprige Mopeds vor den Fabriktoren. Hunderte Frauen und einige Männer strömen zur Werkshalle. Um sechs Uhr beginnt ihre Schicht. Mirjana Stanković ist mit dem Fahrrad gekommen. Sie trägt eine hellgraue Trainingshose, die langen blonden Haare im Nacken zusammengebunden. Die 51‑Jährige arbeitet seit vierzehn Jahren bei Yura. Am Fließband fertigt sie Kabelbäume und andere elektrische Bauteile. Drei Werke und 6.200 Beschäftigte hat die koreanische Yura Corporation in Serbien – die meisten von ihnen sind Frauen. Insgesamt arbeiten knapp 100.000 Beschäftigte in Serbiens Autozulieferfabriken: zu schlechten Bedingungen und niedrigen Löhnen. »Unsere Regierung verkauft uns als billige Arbeitskräfte an ausländische Konzerne«, sagt Mirjana Stanković.
Wirtschaftspolitischer Richtungswechsel?
Müssen Konzerne wie Yura, die auch deutsche Autohersteller beliefern, um ihren Produktionsstandort zittern? Am Sonntag wird in Serbien gewählt. Zum ersten Mal ist der Sieg des langjährigen Machthabers Aleksandar Vučić alles andere als gewiss. Seit fast zwei Jahren protestiert eine Massenbewegung, angeführt von Studierenden, gegen seine autokratische Herrschaft und schickt zu den Parlamentswahlen am Sonntag eine eigene Wahlliste ins Rennen.
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