Mit dem Reformpaket hat die Bundesregierung auch die Weichen für die Rentenreform gestellt. Alle 33 Empfehlungen der Rentenkommission sollen bis Ende des Jahres umgesetzt werden. Camille Logeay saß, von der SPD nominiert, als Wissenschaftlerin in der Rentenkommission, die jüngst ihre Ergebnisse verkündet hat. Logeay ist Professorin für Volkswirtschaftslehre und Ökonometrie an der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) Berlin. Ihre Forschungsschwerpunkte liegen in den Bereichen Arbeitsmarkt- und Rentenpolitik. Im Interview mit Surplus-Redakteur Sören Wienke erklärt sie, welche Chancen und Risiken sich mit der Einführung einer Kapitaldeckung in die gesetzliche Rente ergeben.
Sören Wienke: In der deutschen politischen Debatte gilt es fast als gesetzt, dass die Rentenbeiträge nicht steigen dürften. Wie zwingend ist der Zusammenhang zwischen Beitragssatz und gesamtwirtschaftlicher Belastung?
Camille Logeay: Ich habe die Studienlage dazu vor einigen Jahren ausgewertet und gemeinsam mit Koautoren eigene Berechnungen gemacht. Das Ergebnis war, dass die gesamtwirtschaftlichen Effekte einer Anhebung der Beiträge im Umlagesystem eher gering sind. Der Grund sind die Nachfrageeffekte. Die höheren Beiträge fließen ja als Transferleistungen unmittelbar wieder in den Wirtschaftskreislauf zurück. Der Sachverständigenrat hat jüngst übrigens ähnliche Berechnungen vorgelegt und kommt zu vergleichbaren Ergebnissen: Ein Anstieg des Beitragssatzes um sechs bis sieben Prozentpunkte würde das BIP über zehn Jahre um lediglich 0,5 bis 0,9 Prozent verringern.
Bei der Kapitalrente sieht das anders aus. Die zusätzlichen paritätisch aufgeteilten zwei Prozentpunkte Beitragssatz fließen nicht unmittelbar als Rentenzahlungen in den Wirtschaftskreislauf zurück. Wann, wie und wo sie wieder wirksam werden, ist offen. Wenn das Kapital tatsächlich überwiegend international angelegt wird, dürften die kurzfristigen Effekte auf das deutsche BIP zunächst negativer ausfallen, als wenn sie im Inland investiert werden. Und aus den Lehrbüchern wissen wir auch, dass ein Übergang von der Umlage- zur Kapitaldeckung Übergangskosten mit sich bringt. Letztendlich ist, egal wie, eine gute Alterssicherung nicht zum Nulltarif zu haben.
Welche Risiken sehen Sie in der vorgeschlagenen gesetzlichen Kapitaldeckung?
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