Zwischen den beiden Szenen lagen Monate, und doch gehörten sie zusammen. Letzten November wurde Arbeitsministerin Bärbel Bas (SPD) auf dem Arbeitgebertag für Aussagen zur Rente ausgelacht. Mitte Mai kassierte Friedrich Merz (CDU) auf dem Kongress des Gewerkschaftsbunds Buhrufe und Pfiffe, als er sein Programm als alternativlos verkaufen wollte. Zwei Auftritte, zwei Klassen, eine Botschaft: Das alte Geschäftsmodell funktioniert nicht mehr. Sechs Jahre Krise und Stagnation haben Spuren hinterlassen – und die Höflichkeit ist aufgebraucht.
Doch obwohl in Deutschland Arbeit bereits sehr hoch und Vermögen kaum besteuert wird, werden die Kosten der »notwendigen Strukturreformen« von der Regierung einseitig auf die lohnabhängige Mehrheit abgewälzt. Für das Militär gibt es Geld ohne Ende, aber der Rest der öffentlichen Haushalte und die Sozialversicherungen müssen teils heftige Kürzungen verkraften – oder stehen kurz davor. »Die Botschaft muss doch sein, dass wir seit Jahren über unsere Verhältnisse gelebt haben«, sagte die CDU-Gesundheitsministerin Nina Warken im Deutschlandfunk. Doch stimmt das? Und was ist eigentlich mit dem ganzen Geld passiert, das während der »guten Jahre« erwirtschaftet wurde?
Wo ist das Geld hin?
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