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Das Wirtschaftsmagazin

Deutschlands Überreiche: Oligarchen oder Familienunternehmer?

Eigentum soll laut Grundgesetz der Allgemeinheit dienen. Doch Deutschlands Milliardäre profitieren von Steuerprivilegien und Erbschaften.

4 Minuten Lesedauer

Collage: Surplus, Material: IMAGO/Lobeca/Pond5 Images/DeFodi Images/NurPhoto/Dreamstime

Der SPD-Vorschlag zur Reform der Erbschaftsteuer hat der Debatte um die gerechte Besteuerung großer Vermögen zuletzt neuen Schwung verliehen. Dabei stehen sich zwei wirkmächtige Bilder gegenüber. Auf der einen Seite Multimilliardäre wie Elon Musk, der mit seinem Vermögen und seinen Science-Fiction-Fantasien die Demokratie und die Zukunft der Menschheit gefährdet. Auf der anderen Seite der heimatverbundene Familienunternehmer, der Arbeitsplätze sichert und sich am liebsten in seiner Fabrikhalle abbilden lässt. 

Dazwischen liegen etwa 5000 deutsche Haushalte mit einem Vermögen von jeweils mehr als 100 Millionen Euro und zusammen etwa 2 bis 3 Billionen Euro – also immerhin 10 bis 15 Prozent des gesamten Vermögens in Deutschland. Eigentlich geht es in der Debatte um die Reform der Erbschaftsteuer und die Milliardärsteuer vor allem um diese Gruppe. Doch in der Öffentlichkeit ist sie so gut wie unsichtbar. Mit einer Serie von Fallstudien versuchen wir Ihnen im Surplus-Magazin daher ein Gesicht zu verleihen. Die ersten fünf Vermögen – mit einem Gesamtwert von etwa 200 bis 300 Milliarden Euro – sind mittlerweile porträtiert. Zeit für eine kleine Zwischenbilanz und einen Mythen-Check.

Die Eigentümer: Familiendynastien oder Unternehmer?

Unter den deutschen Milliardären gibt es keinen Elon Musk. Milliardäre, die selbst ein Unternehmen aufbauen, sind in diesem Jahrhundert die Ausnahme und nicht die Regel. Jede fünfte Milliardärsfamilie hat das ursprüngliche Unternehmen bereits verkauft und den Erlös am Finanzmarkt investiert. Von den verbliebenen Familien hat etwa die Hälfte die operative Leitung an externe Manager übertragen. Manche hatten noch nie eine leitende Position im Unternehmen inne, so wie Stefan Quandt und Susanne Klatten bei BMW. Sie betätigen sich im Aufsichtsrat oder als Investoren und Philanthropen, werden häufig aber trotzdem als Vorzeigeunternehmerinnen betitelt.

Credit: IMAGO/BREUEL-BILD (Susanne Klatten), IMAGO/Sven Simon (Stefan Quandt), IMAGO/Ex-Press (Klaus-Michael Kühne), IMAGO/Eventpress (Bernard große Broermann)

Die wenigen deutschen Milliardäre, die ihr Unternehmen selbst aufgebaut oder zumindest maßgeblich vergrößert haben, so wie Dieter Schwarz, sind aufgrund ihres Alters vor allem mit der Weitergabe des Vermögens beschäftigt. Schon heute beruhen drei Viertel der deutschen Milliardenvermögen laut einer Analyse von Datapulse ganz oder zu wesentlichen Teilen auf Erbschaft. Ein weltweiter Rekord mit steigender Tendenz. Die Boehringers reichen das vom Urururgroßvater begründete Vermögen mittlerweile an die sechste Generation weiter. Die Biontech-Gründerinnen und -Gründer Uğur Şahin und Özlem Türeci sind die Ausnahme, die die Regel bestätigt. Und selbst ihr Unternehmen gehört zu großen Teilen zwei Erben, die sich nach dem Verkauf ihres Familienunternehmens als Finanzmarktinvestoren betätigen und auf der Reichenliste weit vor den beiden Gründerinnen und Gründern landen.

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Christoph Trautvetter

Christoph Trautvetter ist wissenschaftlicher Referent beim Netzwerk Steuergerechtigkeit.

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