Guten Morgen,
während wir schon in Deutschland überproportional steigende Lebensmittelpreise sehen, stellt die EU-Kommission diese Woche eine neue Düngemittelstrategie vor. Damit werden die Weichen für die Lebensmittelpreise in den nächsten Quartalen gestellt – während die Bundesregierung weiterhin herzlich wenig macht.
Die wirtschaftlich wichtigsten Termine der Woche sind:
- Dienstag, 19. Mai: Düngemittelstrategie der EU
- Freitag, 22. Mai: Geschäfts- und Konsumklimaindex
- die ganze Woche: Sitzungswoche im Bundestag
Über die Grenzen des grünen Kapitalismus

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Freitag, 22. Mai: EU-Plan gegen Düngemittelpreiskrise
Am Dienstag stellt die EU-Kommission eine neue Düngemittelstrategie vor. Bereits in der Vergangenheit zeigte sich, dass steigende Düngemittelpreise neben Energiepreisen einer der Haupttreiber der Preissteigerungen bei Lebensmitteln waren, wie EZB-Ökonomen feststellten. Einer Studie der Interamerikanischen Entwicklungsbank zufolge führe eine 10-prozentige Preiserhöhung von Stickstoff- oder Phosphatdüngern global im Schnitt zu 6 Prozent höheren Preisen bei Mais oder Soja. Dabei werden die Preise – ähnlich wie auf dem Energiemarkt – jedoch nicht allein durch Knappheiten in die Höhe getrieben. Das Institute for Agriculture & Trade Policy zeigte, dass große Düngemittelkonzerne die letzte Energiepreiskrise 2022 dazu nutzten, ihre Gewinne in erheblichem Maß zu steigern.
Was also ist angesichts dieser Misere von der EU-Kommission zu erwarten? Zwar haben europäische Bauern Düngemittel für die Frühlingsaussaat größtenteils noch vor Kriegsbeginn eingekauft, die Herbstsaat hingegen ist gefährdet. Euronews veröffentlichte nun Informationen, die aus einem vorab vorliegenden Dokument hervorgehen sollen. Demnach plane die EU-Kommission, die landwirtschaftliche Nutzung von Dünger mit Einnahmen aus dem Emissionshandel zu subventionieren – und dürfte damit dem erheblichen Druck von Bauernverbänden nachgeben, die in der Vergangenheit bereits eine Abschaffung des CO₂-Preises forderten und nach Angaben des Fachmagazins Agrarheute den Einkauf von Düngemitteln zuletzt beinahe vollkommen einstellten.
Nun sind kurzfristige Maßnahmen zur Symptombekämpfung für sich genommen zwar nicht falsch – eine Strategie steckt dahinter allerdings nicht. Eine solche müsste Biodüngemittel subventionieren, in großem Maßstab Anreize für die Umstellung auf ökologischen Anbau schaffen, und den Ausbau der Erneuerbaren beschleunigen, um mit günstigem und grünem Wasserstoff notwendige Düngemittel innerhalb der EU produzieren zu können.
Freitag, 22. Mai: Geschäfts- und Konsumklimaindex
Am Freitag gibt es neue Zahlen zum Ifo-Geschäftsklimaindex und zum GfK-Konsumklimaindex. Sowohl auf Seiten der Verbraucher als auch der Unternehmen sank zuletzt das Vertrauen. Marktprognosen bestätigen diesen Trend: Um 5 Punkte soll sich das Verbrauchervertrauen im Mai erneut verschlechtern. Insbesondere die geplatzte 1000-Euro-Pauschale sowie die angekündigten Sozialkürzungen dürften auf die Verschlechterung einzahlen.
Auf Unternehmensseite wiederum sorgen mittlerweile nicht nur steigende Energiepreise, sondern auch Lieferprobleme, wie Ifo-Chefökonom Clemens Füst zuletzt betonte. Insbesondere betroffen sei demnach die Chemieindustrie, deren Branchenverband VCI im April berichtete, die Chemieausfuhren hätten in allen Regionen unter Vorjahresniveau gelegen.
Sitzungswoche im Bundestag
- Beratung des Gesetzentwurfs der Bundesregierung zur Umsetzung einer EU-Richtlinie zum »Recht auf Reparatur« am Mittwoch
- Beratung des Gesetzentwurfs der Bundesregierung zur Einführung eines antragslosen Kindergeldes am Donnerstag
- drei Anträge der Grünen zur Energiepolitik: Umsetzung der EU-Gebäuderichtlinie, Stopp des GMG, Stärkung der Energiesicherheit am Donnerstag
- Antrag der AfD zur Abschaffung des CO₂-Handels am Donnerstag
- Antrag der Linken zu kostenfreiem Mittagessen in Schulen
- Entscheidung über Gesetzentwurf der Bundesregierung zur Senkung der Luftverkehrssteuer am Donnerstag
- Beratung des Gesetzentwurfs der Bundesregierung zur Umsetzung einer EU-Richtlinie zur grenzüberschreitenden Vermögensabschöpfung (zum Zweck der Kriminalitätsbekämpfung) am Donnerstag
- Antrag der Grünen zur Bekämpfung der globalen Hungerkrise am Freitag
- Jahresabrüstungsbericht 2025 am Freitag
Weitere wichtige Wirtschaftstermine:
- Mo, 18.05.: Finanzministertreffen G7, Veröffentlichung Prüfbericht zu Treibhausgasemissionen für das Jahr 2025 und zu Projektionsdaten 2026 des Expertenrats für Klima, Internationales Forschungsforum für Geldpolitik der EZB in Kooperation mit dem Euro Area Business Cycle Network (EABCN) und dem Federal Reserve Board (bis Dienstag), Round Table zu »Wie Deutschlands Infrastruktur-Wende gelingt« (unter anderem mit Marcel Fratzscher)
- Di, 19.05.: Daten zur Entwicklung der Pflegebedürftigkeit 2025 des Medizinischen Dienstes Bund und dem Spitzenverband der gesetzlichen Krankenkassen, EU-Handelsbilanz, Tag der Immobilienwirtschaft
- Mi, 20.05.: Beginn Energieministerkonferenz mit Katherina Reiche, EU-Inflationszahlen April, EU-Verbraucherpreisindex
- Do, 21.05.: EU-Kommission legt Frühjahrsprognose für die Wirtschaft vor, Erzeugerpreisindex, HCOB Gesamtindex, verarbeitendes Gewerbe und Dienstleitungen
- Fr, 22.05.: Treffen EU-Handelsminister, Bruttoinlandsprodukt

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Einen guten Start in die Woche
Lukas Scholle
