Als Igor Feketija 2022 zum Staatssekretär ernannt wird, ahnt er, dass die Jahre vor ihm schlaflos werden. Gerade ist die Linke erstmals Teil der slowenischen Regierung geworden – und hat ein eigenes Ressort erhalten. Es heißt »Ministerium für eine solidarische Zukunft«. Drei Themen stehen ganz oben auf der Agenda: öffentlicher Wohnungsbau, Rentenreform – und die Demokratisierung der Wirtschaft. Für Letzteres ist Igor Feketija zuständig. Ein großer, hagerer Professor. Dicke Brille. »Als wir die Idee zum ersten Mal dem Finanzministerium vorgestellt haben, hielten sie uns für verrückt«, sagt Feketija. »Sie haben uns praktisch hinausgeworfen.«
Keine drei Jahre später hat Slowenien dennoch das EU-weit erste ESOP-Gesetz verabschiedet. Ein Gesetz, das Eigentümer dazu bewegen soll, ihre Unternehmen an die eigene Belegschaft zu übergeben. Getragen von einer Mehrheit im slowenischen Parlament – und unterstützt von großen Finanzakteuren in Slowenien und auf europäischer Ebene. »Wir haben vermittelt, dass das keine linke Spinnerei ist«, sagt Feketija. »Sondern eine Win-win-win-Situation – für Eigentümer, Beschäftigte und die Volkswirtschaft.« Aber wie?
Das amerikanische ESOP
Um diesen Erfolg zu verstehen, müssen wir in die USA blicken. Dort hat der Employee Stock Ownership Plan (ESOP) seinen Ursprung – und ist alles andere als sozialistisch gewachsen. Denn während die Demokraten in dem Mitarbeitereigentumsplan demokratische Mitsprache und gerechtere Vermögensverteilung sehen, ist es für die Republikaner vor allem ein Weg, Daseinsvorsorge privat statt staatlich zu regeln. Nicht umsonst wurde das ESOP-Modell 1974 als Teil einer Rentenreform im Kongress beschlossen: Mitarbeiter erhalten Unternehmensanteile, die ihnen bei Rentenantritt ausgezahlt werden. So soll der ESOP die betriebliche Altersvorsorge sichern. Mit Erfolg: Heute gibt es in den USA über 6500 ESOP-Unternehmen mit 14 Millionen Angestellten.
Bis heute ist der ESOP eine der wenigen Ideen, die sowohl von Republikanern als auch von Demokraten unterstützt wird. Selbst die Investmentbank JPMorgan stellte fest, dass der ESOP positive betriebswirtschaftliche Effekte hat: Solche Betriebe haben im Schnitt 10 Prozent höhere Gewinnmargen. Denn sind Mitarbeiter selbst Eigentümer, identifizieren sie sich deutlich stärker mit dem Unternehmen. Sie arbeiten effizienter, melden sich seltener krank und verbleiben 46 Prozent länger im Unternehmen als durchschnittliche Angestellte.
Mit diesen Argumenten habe man letztendlich die notwendigen Akteure ins Boot holen können, um das Gesetz in Slowenien durchzubringen, sagt Igor Feketija. »Wir haben den Leiter der Employer Ownership Association aus den USA zu einem Treffen mit unserem Premierminister eingeflogen. Wir haben Expertinnen aus dem Finanzministerium zur ESOP-Konferenz nach Oxford geschickt und schließlich Wirtschaftsvertreter überzeugt.«
