Wann Dönerpreisbremse? Noch 2022 war neben »Wann Bubatz legal?« die Frage nach den Dönerpreisen die wohl am häufigsten an Ex-Kanzler Olaf Scholz (SPD) gestellte. Zu Recht: Genau wie bei der Brezel und dem Eis lesen wir Monat für Monat an den 5, 7, oder mancherorts sogar 10 Euro für den Döner die Inflation ab. Bei dem wohl am weitesten verbreiteten Indikator für steigende Preise gibt es eine kleine, vorsichtige Entwarnung: Zuletzt sind die Dönerpreise im Schnitt gesunken. Das ergab eine Analyse von Funk und GeoGoat auf Basis von Daten von Jan Degener. Ausgewertet worden sind deutschlandweit in Google-Maps-Rezensionen genannte Preise zwischen 2016 und 2026. Demnach kostete ein Döner in diesem Jahr im Median 6,50 Euro, während es im Vorjahr noch 7 Euro waren – und im Jahr 2016 noch 4 Euro.

Der jetzige Rückgang bei den Preisen ist zumindest teilweise auf die Senkung der Mehrwertsteuer für Speisen von 19 auf 7 Prozent zurückzuführen. Es könnte sich also um einen einmaligen, statt um eine langfristige Entwicklung handeln. Zudem sind die Daten mit Vorsicht zu behandeln, da sie auf Rezensionen beruhen. Eine andere Erhebung von YouGov erfasste die Einkäufe von Befragten und kam auf einen bundesweiten Schnitt von 7,11 Euro im Jahr 2025 – für 2026 lagen noch keine Daten vor. Über diese Befragung berichtete die Deutsche Presse-Agentur (dpa). YouGov zufolge sind die Dönerpreise seit 2021 um 47 Prozent gestiegen, damals lag der Preis noch bei 4,85 Euro.
Für die Hauptstadt bestätigte der Verband der Dönerproduzenten Deutschland einen Preisrückgang. Erdogan Koc vom Verband sagte der dpa, in Berlin seien »derzeit punktuelle Preisrückgänge zu beobachten« in Höhe von 50 Cent bis einem Euro pro Döner. Zurückzuführen sei das auf gesunkene Geflügelfleischpreise, eine abgeschwächte Inflation und ein großes Überangebot an Döner-Imbissen in Berlin. Koc sprach von »intensivem Wettbewerb« und Versuchen bei Neueröffnungen, sich über den Preis auf dem Markt zu positionieren.
Dauerhaft würden die Preise allerdings eher nicht sinken, sagte Koc der dpa. Denn weiterhin bleibe die Kostenbasis bei Rind- und Kalbfleisch, Personal und Mieten hoch. Parallel sei ein klarer »Qualitätstrend« zu beobachten. Immer häufiger würden auch neue Produkte wie Steak-Döner angeboten: »In diesem Segment werden Preise von 12 Euro oder mehr pro Döner aufgerufen – und vom Markt akzeptiert«, so Koc. Die Entwicklung in zwei Extreme – Preiswettbewerb im unteren und mittleren Bereich und »Premiumisierung im oberen Segment« – sei eine Entwicklung Berlins, die bald auch bundesweit ankommen könnte, sagte Koc.
Gefahr der Deflation?
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