Der Krieg im Iran trifft nicht alle gleich. Während deutsche Haushalte mit steigenden Preisen für Benzin und Heizöl konfrontiert sind, aber der Staat Teile der Kaufkraftverluste abgefedert hat, stehen Länder im Globalen Süden vor einer existenziellen Krise: geringe Devisenreserven, begrenzter Zugang zu Kreditmärkten, kaum fiskalischer Puffer. Wer jetzt Geld braucht, klopft beim IWF an – und bekommt es, wenn überhaupt, zu Bedingungen, die vor allem Washington festlegt. Warum dies so ist, habe ich zusammen in einer Studie mit dem Ökonomen Gastón Nievas für das World Inequality Lab (WIL) untersucht. Dabei ist die Studie The global democratic deficit: institutional symmetries and the provision of global public goods entstanden.
Weltbank, Internationaler Währungsfonds (IWF) und die Vereinten Nationen (UN) mobilisierten 2023 gemeinsam etwa 160 Milliarden US-Dollar für Armutsbekämpfung, humanitäre Hilfe, Umweltschutz und Entwicklung. So gewaltig diese Zahl auch klingt, sie entspricht gerade einmal 0,15 Prozent des weltweiten Bruttoinlandsprodukts. Ein Bruchteil – insbesondere angesichts der Verantwortung, diese Welt zukunftsfähig zu machen. Laut Berechnungen des World Inequality Labs wären zwischen 2030 und 2060 jährlich zwischen 8 und 10 Prozent des globalen BIP für Klimaschutz, Bildung und Gesundheit sowie öffentliche Infrastruktur und globale Konvergenz notwendig. Angeführt von den USA und mitgetragen von vielen reichen Ländern, zieht sich der globale Norden jedoch aus Teilen des Systems zurück – mit dem Argument, zu viel zu zahlen.
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