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Das Wirtschaftsmagazin

Eine Klimawende der Reichen erhöht die Ungleichheit

Die Klimakrise ist eng mit der globalen Ungleichheit verbunden. Ohne Umverteilung werden die Reichsten durch die Klimawende noch reicher.

4 Minuten Lesedauer

Credit: IMAGO/Panama Pictures

Zehn Jahre nach Unterzeichnung des Pariser Klimaabkommens ist das 1,5-Grad-Ziel unerreichbar geworden. Gleichzeitig leben wir in einer Welt extremer Vermögenskonzentration. Der Climate Inequality Report 2025, den das World Inequality Lab im Oktober veröffentlicht hat, zeigt, wie eng diese Entwicklungen miteinander verknüpft sind: Vermögensungleichheit bestimmt, wer die Klimakrise verursacht und an ihr verdient. Gleichzeitig bietet die Klimawende eine historische Chance, Vermögen neu zu verteilen – wenn sie entsprechend gestaltet wird. 

Klimaungleichheiten: Von Einkommen zu Vermögen

Der Zusammenhang von Klimakrise und Einkommensungleichheiten wurde in den letzten Jahren viel diskutiert. Emissionsvergleiche zeigen etwa, dass die reichsten 10 Prozent der Weltbevölkerung 47 Prozent der konsumbezogenen Emissionen verursachen. Bei den Spitzeneinkommen wird es sogar noch extremer: Dem reichsten Prozent werden 15 Prozent der globalen Emissionen zugeschrieben. Zugleich erleiden diese Haushalte, relativ zu ihrem Einkommen, nur einen Bruchteil der aktuellen und der erwarteten Klimaschäden. 

Dieser Ansatz beschreibt den Zusammenhang zwischen Einkommen, Konsummöglichkeiten und den Wechselwirkungen mit der Klimakrise. Davon zu unterscheiden, ist jedoch die Frage nach Eigentums- und Produktionsverhältnissen, also danach, wer jene Anlagen besitzt und kontrolliert, die letztlich Emissionen erzeugen. Hierfür ist Vermögen die aussagekräftigere Größe: Der Besitz von Unternehmen, Aktien oder auch Immobilien ist nicht nur ein besseres Maß für die tatsächliche Fähigkeit von Haushalten, sich gegen Klimarisiken abzusichern, sondern auch ein Indikator für die ökonomische (und politische) Handlungsmacht, klimapolitische Prozesse zu beeinflussen. 

Vermögen ist deutlich ungleicher verteilt als Einkommen. Laut dem World Inequality Report 2026 entfallen auf die oberen 10 Prozent der Weltbevölkerung 53 Prozent des globalen Einkommens und 75 Prozent des Vermögens. Konkret bedeutet das, dass eine Person der oberen 10 Prozent im Durchschnitt ein Vermögen von rund 1,3 Millionen Euro besitzt, während es rund 3.400 Euro für eine Person in der ärmeren Hälfte sind. Noch stärker verdichtet sich diese Konzentration bei den Reichsten: Die oberen 0,001 Prozent – 56.000 Personen – verfügen über dreimal so viel Vermögen wie die gesamte ärmere Hälfte der Weltbevölkerung.

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Cornelia Mohren

Cornelia Mohren ist Environmental Coordinator am World Inequality Lab an der Paris School of Economics (PSE). Sie promoviert an der Sciences Po in Paris zu umweltbezogenen Ungleichheiten.

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