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Das Wirtschaftsmagazin

Merz’ Investorengipfel + EU-Haushalt + ZEW-Konjunkturerwartungen

Die wichtigsten Wirtschaftsfragen der Woche sind: Was bringt uns ein Investorengipfel? Wie sehen die Konjunkturerwartungen aus? Und welchen Haushalt fordert das EU-Parlament?

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4 Minuten Lesedauer
Jen-Hsun Huan, CEO von Nvidia,  und Friedrich Merz beim Händeschütteln. Credit: IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Merz will auch KI. Sichert das Wohlstand? Credit: IMAGO/dts Nachrichtenagentur.

Guten Morgen,

wenn es um Geld geht, kann es schnell technisch werden. Wir schauen diese Woche trotzdem genau dorthin, wo es fließen soll: Was passiert, wenn Investoren sich hinter verschlossenen Türen mit der deutschen Regierung treffen, was Finanzexperten von der Konjunktur erwarten, und warum sich das EU-Parlament mit Rat und Kommission streitet. 

Die wirtschaftlich wichtigsten Termine der Woche sind:

  • Montag, 19. Oktober: Invest in Germany Summit
  • Dienstag, 20. Oktober: ZEW-Konjunkturerwartungen
  • Mittwoch, 21. Oktober: Abstimmung Gesamthaushaltsplan der EU für 2027 im Europäischen Parlament

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Montag, 19. Oktober: Invest in Germany Summit

Mit einem großzügigen Budget von 5 Millionen Euro ausgestattet, inklusive neuem Standortmarketing, beginnt am Montag der internationale Investorengipfel der Bundesregierung. Unter der Schirmherrschaft des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie laden aus dem Regierungskabinett auch Dorothee Bär (Forschung, Technologie und Raumfahrt), Steffen Bilger (Verkehr), Verena Hubertz (Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen), Karsten Wildberger (Digitales und Staatsmodernisierung), Lars Klingbeil (Vizekanzler und Finanzen) sowie der Kanzler selbst zum Gipfel ein. CEOs sollen sich dort unter weitgehendem Ausschluss der Presse über Investitionsmöglichkeiten in Deutschland informieren und in bilateralen Gesprächen mit Regierungsvertretern persönliche Kontakte knüpfen können.

Unterstützung holt sich die Bundesregierung dabei von ihren sogenannten »Business-Co-Hosts«, darunter auch ein alter Bekannter des Bundeskanzlers aus seiner Zeit bei BlackRock. So gehören zu den Gastgebern ebenfalls:

  • Roland Busch (CEO Siemens)
  • Valérie Baudson (CEO Amundi)
  • Hélène Huby (CEO The Explanation Company)
  • Larry Fink (CEO Blackrock)
  • Bastian Nominacher (Co-CEO Celonis)
  • Bettina Orlopp (CEO Commerzbank)
  • Christian Sewing (CEO Deutsche Bank)
  • Jeanette von Fürstenberg (Präsidentin und Geschäftsführerin von General Cataylist)

In einer Antwort auf eine kleine Anfrage der Linken erklärte die Regierung die Motivation des Treffens. Die rund 550 Einladungen gehen primär an ausländische »Greenfield-Investoren« (die keine bestehenden Unternehmen kaufen, sondern neue Betriebe aufbauen) sowie ausgewählte Finanzinvestoren und deutsche Unternehmen. Durch Berichte des Handelsblatts ist zudem bereits bekannt geworden, dass der Investorengipfel auch der offiziellen Ankündigung einer Kooperation der Bundesregierung mit dem Chiphersteller Nvidia dienen solle. Demnach wolle die Regierung einen dreistelligen Millionenbetrag als Anschubfinanzierung investieren. Um sogenannte physische KI zu entwickeln, die beispielsweise beim Training von Robotern und autonomen Fahrzeugen zum Einsatz kommt, solle mit dem Geld Rechenkapazität bei der Industrial-AI-Cloud der Deutschen Telekom eingekauft werden. Insofern dürfte sich bei diesem Summit die mittelfristige Perspektive für Großkonzerne in Deutschland entscheiden – und vielleicht auch die politischen Prioritäten darauf basieren.


Dienstag, 20. Oktober: ZEW-Konjunkturerwartungen

Nachdem die Prognose für das Weltwirtschaftswachstum, die der Internationale Währungsfonds (IWF) vergangene Woche vorgelegt hatte, recht zögerlich ausgefallen war, schauen wir diese Woche auf die deutsche Konjunktur. So hatte der IWF seine Prognose für Deutschland auf 1,3 Prozent Wachstum dieses Jahr und 1,1 Prozent Wachstum nächstes Jahr korrigiert – Zahlen, mit denen auch die Bundesregierung derzeit rechnet. Das Wachstum ist allerdings stark von Rüstungsausgaben getrieben.

Der ZEW-Konjunkturerwartungsindex indes speist sich aus Befragungen von etwa 300 Finanzexpertinnen und -experten aus Banken, Versicherungen und ausgewählten Großunternehmen. Deren Erwartungen scheinen sich Finanzprognosen zufolge getrübt zu haben: Während Mitte September noch ein Indexwert von 34,7 Punkten gemessen wurde, wird augenblicklich von nur noch 31,6 Punkten ausgegangen. Berechnet wird der Index aus der Differenz optimistischer und pessimistischer Einschätzung hinsichtlich von Konjunkturentwicklungen, Inflationsrate, Zinsen, Aktienkursen und Wechselkursen. Werte über null gelten als positiv, Werte darunter als negativ. 

Grafik zur Entwicklung des ZEW-Konjunkturindexes. Quelle: ZEW Index & Trading Economics

Mittwoch, 21. Oktober: Abstimmung Gesamthaushaltsplan der EU für 2027 im Europäischen Parlament

Während die europäischen Regierungschefs bereits über massive Kürzungen des mittelfristigen Finanzbudgets (2028–2037) streiten, befasst sich das Europäische Parlament am Mittwoch erneut mit dem laufenden Budget. Zunächst aber gibt es unterschiedliche Vorschläge von Rat und Kommission. Hintergrund sind gestiegene Zinskosten für Kredite, die die EU im Anschluss an die Corona-Krise für ein großangelegtes Konjunkturprogramm aufnehmen musste. Um die dadurch entstandenen Mehrkosten zu refinanzieren, will der Rat bei Programmen in den Bereichen Gesundheit, Kultur und Gleichstellung sowie beim Studierendenaustausch kürzen. Die Kommission hingegen will auf Reserven des laufenden Haushalts sowie auf Projektgelder zurückgreifen, die seit 2021 nicht ausgegeben wurden. Ersteres kritisiert das Parlament, weil diese Gelder als Notfalltopf für etwaige Katastrophen oder unvorhergesehene Entwicklungen gelten. Stattdessen will der parlamentarische Haushaltsausschuss mehr Mittel aus den »übrigen« Projektgeldern heranziehen. 

Grafik: EU-Haushaltsvorschlag in Mrd. Euro, 2028 bis 2034. Quelle: Europäische Kommission, 2025

Nun stießen beide Vorschläge zudem im Haushaltsausschuss des EU-Parlaments auf Kritik. Uneinigkeiten bestehen aufgrund potenzieller Kürzungen. So stellte der Europäische Rat in Aussicht, Verpflichtungsmittel in Höhe von 1 Milliarde Euro zu streichen. Dagegen stimmte der Haushaltsausschuss des Europäischen Parlaments einer Resolution zu, die sich gegen die geplanten Kürzungen ausspricht. Zusätzlich fordert der Haushaltsausschuss eine Aufstockung der Mittel um 1,17 Milliarden Euro, wie er der Presse mitteilte. Die höchsten Posten, die der Ausschuss demnach besser finanziert sehen will, entfallen auf das LIFE-Programm (+85 Millionen Euro), das sich dem Umwelt-, Natur- und Klimaschutz widmet und unter anderem die Energietransformation anschieben soll, auf das europäische Austauschprogramm Erasmus+ (+96 Millionen Euro) sowie auf Transport- und Energienetzwerke (+260 Millionen Euro). 

Sparpolitik ist eine Bedrohung für die EU
Überall wird die Bedeutung einer starken EU beschworen. Doch dafür braucht es eine Abkehr von der Sparpolitik.

Weitere wichtige Wirtschaftstermine diese Woche:

  • Montag, 19. Oktober: Deutsche Börse Q3-Zahlen, 17. Weltnaturkonferenz der Vertragsstaaten der UN-Biodiversitätskonvention (bis Freitag)
  • Dienstag, 20. Oktober: Konstituierende Sitzung des Landtags in Mecklenburg-Vorpommern, Erzeugerpreisindex
  • Mittwoch, 21. Oktober: Verkehrsministerkonferenz
  • Freitag, 23. Oktober: Auftakt CSU-Parteitag, HCOB EMI Gesamtindex


Ich hoffe, dass Dir dieser Newsletter einen guten Überblick über die kommende Woche gegeben hat. Falls er Dir gefallen hat, schick diesen Newsletter gerne weiter oder schick mir Feedback, wie er noch besser werden könnte. 

Einen guten Start in die Woche 
Lukas Scholle




Lukas Scholle

Lukas Scholle ist Ökonom, Gründer und Chefredakteur von Surplus.

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