Die Reform der Gesetzlichen Krankenkassen (GKV) verlange allen Beteiligten etwas ab, so Merz noch im Juni zu dem vor zwei Wochen im Bundestag beschlossenen GKV-Sparpaket. Doch vor der Pharma-Lobby ist die Bundesregierung eingeknickt. Dabei könnte sie eigentlich ihre Verhandlungsmacht nutzen und bessere Arzneimittelpreise durchsetzen.
Das GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz soll die Kassenbeiträge stabilisieren und dafür bis 2030 rund 19 Milliarden Euro einsparen. Seit Jahren übersteigen die Ausgaben die Einnahmen der Kassen. Die Arzneimittelausgaben sind dabei der zweitgrößte Posten: Sie lagen 2025 bei rund 58,5 Milliarden Euro, ein Anstieg um rund sechs Prozent gegenüber dem Vorjahr. Getrieben wird er nicht von der Menge, sondern von wenigen teuren Präparaten. Auf patentgeschützte Arzneimittel entfielen laut Arzneimittel-Kompass 2025 rund 54 Prozent der Kosten, die aber nur einen Bruchteil der verordneten Tagesdosen ausmachen.
Ein Grund für die hohen Kosten ist das deutsche System selbst, das für die Hersteller ein besonders lukrativer Markt ist. Neue patentgeschützte Arzneimittel werden hier sofort nach der Zulassung von den Kassen bezahlt. In den ersten sechs Monaten setzen die Unternehmen den Preis selbst fest, erst danach wird ein Erstattungsbetrag ausgehandelt.