Deutschland diskutiert viel über neue Kraftwerke, dabei liegt einer der größten Hebel der Energiewende längst in unseren Netzen, Speichern, Elektroautos und Gebäuden. Wir müssen das Stromsystem endlich flexibel machen.
Wind- und Solarenergie liefern inzwischen einen großen Teil unseres Stroms. Das Problem ist nicht ein Mangel an Energie, sondern dass Erzeugung und Verbrauch zeitlich und räumlich besser zusammengebracht werden müssen. Heute werden erneuerbare Anlagen abgeregelt, während zu anderen Zeiten fossile Kraftwerke einspringen. Das ist teuer und ineffizient.
Die Politik sollte deshalb Flexibilität systematisch belohnen. Dazu gehören ein schneller Smart-Meter-Rollout, dynamische Stromtarife, variable Netzentgelte und bessere Bedingungen für Speicher, Wärmepumpen und bidirektional ladende Elektroautos. Verbraucherinnen und Verbraucher sollten davon profitieren, wenn sie Strom dann nutzen, wenn viel erneuerbare Energie vorhanden und das Netz wenig belastet ist.
Gleichzeitig brauchen wir digitale und intelligent gesteuerte Verteilnetze. Auch Energy Sharing sollte endlich unkompliziert möglich sein, damit Haushalte, Kommunen und Unternehmen erneuerbaren Strom vor Ort gemeinsam erzeugen und nutzen können.
Davon profitiert auch die Industrie: Wer Produktion flexibel steuern, erneuerbaren Strom direkt beziehen und Speicher einsetzen kann, senkt Energiekosten und macht sich unabhängiger von volatilen Gas- und Ölpreisen. So wird die Energiewende zugleich zu einem Standortvorteil.
Das senkt Kosten, reduziert den Bedarf an fossilen Reservekraftwerken und macht das Energiesystem resilienter. Die Energiewende braucht nicht immer neue Milliardenprogramme oder neue Großkraftwerke. Oft ist der entscheidende Hebel, die vorhandenen Technologien intelligent miteinander zu verbinden.
