Der nächste Preisschock ist da. Bei den Spritpreisen haben wir es direkt gesehen. Andere Güter wie Lebensmittel werden sich voraussichtlich weiter verteuern. Auch gesamtwirtschaftlich sehen wir bereits Auswirkungen des Iranschocks. Die Wirtschaftsweisen haben kürzlich ihre Prognosen für 2026 nach unten korrigiert: Wachstum von 0,9 auf 0,5 Prozent, Inflation von 2,1 auf 2,9 Prozent, Arbeitslosigkeit von 6,1 auf 6,4 Prozent. Statt einer Erholung der Wirtschaftslage setzt sich in Deutschland die Krise der letzten Jahre weiter fort. Reale Abstiege und Abstiegsängste nehmen zu. Die Umfragen zeigen weiterhin einen Zulauf zu den Rechten, deren Politik die Lage noch weiter verschlimmern würde.
Auch wir haben keine Glaskugel und wissen nicht, wie die Krise weitergeht. Während der Erstellung dieser Ausgabe sind die Ölpreise infolge der Verhandlungsschwierigkeiten zwischen den USA und dem Iran durch die Decke gegangen und haben sich nach einer Feuerpause wieder abgekühlt. In jedem Fall werden wir die Folgen wirtschaftlich spüren – wie sehr, bleibt offen. In seinem Leitartikel ordnet Adam Tooze den heutigen Preisschock vor dem Hintergrund ähnlicher Schocks der letzten 100 Jahre ein – mit dem Fokus darauf, dass Preisschocks immer auch Profiteure haben. Isabella Weber und Gregor Semieniuk buchstabieren hingegen aus, wie eine wirtschaftspolitische Antwort auf einen Ölpreisschock mit einem Käuferkartell aussehen könnte. Statt Entlastungen wie in der letzten Energiepreiskrise drohen nun Kürzungen – was das Leben schwieriger machen und die Wirtschaftslage weiter verschlechtern würde, wie Maurice Höfgen schreibt. Wie eine Regierung in einer solchen Krise arbeitet, erklärt der frühere Kanzleramtschef Wolfgang Schmidt im Interview. Die Cambridge-Professorin Helen Thompson analysiert das Zusammenspiel von Energiefrage und Geopolitik. Auch wenn Trump dieses Chaos mit seinem Angriff auf den Iran angestoßen hat – aussichtslos ist die Lage keineswegs. Die Harvard-Ökonomin Rakeen Mabud erklärt im Interview, wie Progressive auf Trumps Politik reagieren können.
Viel Spaß bei der Lektüre
Lukas Scholle