Mit Büchern wie Das Kapital im 21. Jahrhundert und Kapital und Ideologie hat der französische Ökonom Thomas Piketty die internationale Debatte über wirtschaftliche Ungleichheit geprägt. Dabei rückt in seinen jüngsten Arbeiten zunehmend die Eigentumsfrage selbst in den Fokus. Im heute erschienenen Global Justice Report des World Inequality Lab (WIL), dessen Ko-Direktor Piketty ist, fordern die 45 Autorinnen und Autoren die Einführung eines Global Justice Fund und eines World Sovereign Fund. Mit Lukas Scholle spricht Piketty darüber, wie eine solche Agenda institutionell aussehen könnte.
Lukas Scholle: In den letzten Jahren haben Sie umfangreiche Forschungsarbeiten zu Ungleichheit und Umverteilungsinstrumenten durchgeführt. Nun stellen Sie zwei weitere Kernkonzepte vor, die den strukturellen Ansatz weiterführen: den Global Justice Fund und den World Sovereign Fund. Wie sehen diese Konzepte aus?
Thomas Piketty: Der Global Justice Fund ist schlichtweg ein sehr konkreter Vorschlag zur Finanzierung von Klimaanpassung und -schutz. Es gäbe eine universelle Vermögens- und Einkommenssteuer, die weltweit auf Vermögen und Einkommen erhoben würde. Ob man nun Milliardär in Indien, Deutschland, Frankreich, Nigeria oder den USA ist: Man zahlt für ein bestimmtes Vermögensniveau die gleiche Steuer. Sie könnte im Grunde auf das oberste 1 Prozent der Weltbevölkerung angewendet werden und bei Milliardären bis zu 20 Prozent pro Jahr betragen – dasselbe gilt für Spitzenverdiener. Dieses Geld würde dann in den Global Justice Fund fließen und für zwei Dinge verwendet werden. Zum einen zur Bereitstellung von Länderdividenden und zum anderen zum Aufbau des World Sovereign Fund.
Fangen wir mit den Länderdividenden an. Wie würden diese aussehen?
