Wie die Zeiten sich ändern. Noch vor zwanzig Jahren wurde China als die »Werkbank der Welt« bezeichnet. Westliche Konzerne ließen ihre Produkte in der Volksrepublik fertigen. Um zu den Industrienationen aufschließen zu können, setzte China auf Wissensabfluss. Wer im Land investieren wollte, musste ein Joint Venture eingehen. Schnell konnten westliche Waren kopiert und unter chinesischem Namen herausgebracht werden. Mittlerweile ist China den Europäern in wichtigen Branchen davongeeilt. In der Autoindustrie, bei grünen Technologien und im Maschinenbau bringt China Innovationen hervor, bei denen die Europäer hinterherhinken.
Made in EU: Copy and Paste
Nun will sich die EU etwas von China abgucken. In Fachkreisen wird das als »Reverse Deng« bezeichnet. In Hommage an Chinas früheren Staatschef Deng Xiaoping, den Hauptarchitekten der Reformen und der wirtschaftlichen Öffnung Chinas in den 1980er Jahren. Die Europäische Union bereitet Vorschriften vor, die den Transfer von Technologie und Know-how als Zugangsvoraussetzung vorschreiben würden. Gerüchten zufolge soll sich Volkswagen bereits in Gesprächen befinden, um deutsche Werke für chinesische Hersteller bereitzustellen. Die Landesregierungen in Sachsen und Niedersachsen hatten gefordert, auf Peking zuzugehen. Zwar sah sich Konzernchef Oliver Blume umgehend zu einem Dementi genötigt. Doch der Vorgang verdeutlicht, wie sich die Kräfteverhältnisse verändern. Immer weniger Menschen weltweit wollen teure deutsche Autos mit Verbrennermotoren kaufen und China steht bereit, dem alten Kontinent unter die Arme zu greifen.
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