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Die drei wichtigsten News der letzten zwei Wochen
- Meta-Brillen und intime Aufnahmen. Beschäftigte eines Outsourcing-Dienstleisters in Nairobi müssen intime Bilder und Videos sichten, die mit der Kamera-Brille von Meta aufgenommen wurden. Die Aufnahmen landen also zur Moderation bei schlecht bezahlten Content-Moderatorinnen und -Moderatoren im globalen Süden. Wichtig, weil: Digitale Produkte im Globalen Norden erfordern unsichtbare Arbeit im Globalen Süden. Die Kosten der Plattformökonomie werden ausgelagert, während die Profite konzentriert bleiben.
- KI gegen Terror. Die Europäische Union will stärker auf Künstliche Intelligenz setzen, um Terrorpropaganda, Radikalisierung und Netzwerke früh zu erkennen. Geplant sind mehr Datenaustausch, automatisierte Analyse und engere Zusammenarbeit mit Plattformen. Wichtig, weil: Sicherheitslogiken treiben den Ausbau von KI-Infrastruktur im Staat. Technologien, die für Terrorbekämpfung entwickelt werden, prägen später auch andere Formen digitaler Überwachung.
- Melden illegaler Inhalte funktioniert oft nicht. Die Verbraucherzentrale Bundesverband hat bei mehreren großen Plattformen Verstöße gegen die Meldepflichten des Digital Services Act (DSA) festgestellt. Nutzerinnen und Nutzer können illegale Inhalte häufig nur schwer oder gar nicht melden. Wichtig, weil: Plattformen sind gesetzlich verpflichtet, Risiken zu begrenzen. Wenn selbst die Meldesysteme nicht funktionieren, bleibt Regulierung auf dem Papier.
Thema der Woche:
Die QuitGPT-Bewegung macht genau das, was Silicon Valley will: Sie verwandelt eine politische Krise in eine Lifestyle-Entscheidung.
Die QuitGPT-Bewegung macht genau das, was Silicon Valley will: Sie verwandelt eine politische Krise in eine Lifestyle-Entscheidung.
In den letzten Tagen machte eine neue Bewegung die Runde: QuitGPT. »Kündige dein ChatGPT-Abo. [...] Wir können OpenAI in die Knie zwingen«, heißt es von der Initiative. Die Initiatoren erhoffen sich davon strukturellen Wandel. Doch es ist zweifelhaft, ob das so funktioniert. Ein gigantisches politisches Problem wird auf eine Konsumentenentscheidung reduziert.
Kann das Löschen einer App wirklich so großen Druck aufbauen? OpenAI erwirtschaftet trotz massiver Verluste eine Bewertung von mehreren hundert Milliarden Dollar, getragen nicht von Nutzerzahlen, sondern von Regierungsverträgen, Investitionen aus dem Nahen Osten und spekulativen Prognosen rund um künstliche Intelligenz. Wer glaubt, mit einer gekündigten Mitgliedschaft strukturellen Druck auf das Unternehmen ausüben zu können, unterschätzt, wem OpenAI tatsächlich Rechenschaft schuldet.
Aya Jaff: Broligarchie
Die Machtspiele der Tech-Elite und wie sie Fortschritt verhindern. Erschienen am 27. November 2025 im Ullstein Verlag.
