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Die drei wichtigsten News der letzten zwei Wochen
- US-TikTok rückt politisch näher an Trump.
Im Zuge der geplanten Abspaltung des US-Geschäfts positioniert sich TikTok auffällig nah an Donald Trump und dessen Umfeld. Die Eigentümerstruktur soll amerikanischer werden, um ein Verbot abzuwenden. Wichtig, weil: Nationale Sicherheitsargumente werden hier zur Verhandlungsmasse zwischen Politik und Investoren. Die offene Frage bleibt, ob es bei der Debatte je um Datenschutz ging – oder nur darum, wer die Plattform kontrolliert.
- US-Einwanderungsbehörde arbeitet mit Palantir und Paragon.
Die US-Behörde ICE setzt Analyse-Software von Palantir und Überwachungstechnologie von Paragon ein, um Migranten gezielt zu identifizieren. Daten aus verschiedenen Quellen werden zusammengeführt. Wichtig, weil: Migrationspolitik wird zur technischen Verwaltungsaufgabe, umgesetzt durch private Überwachungsfirmen, die sich demokratischer Kontrolle weitgehend entziehen.
- Konsultation für europäische Open-Source-Agenda.
Bis Anfang Februar können Beteiligte der Tech-Community und Öffentlichkeit Beiträge zu einer EU-Open-Source-Strategie einreichen, die digitale Abhängigkeiten brechen will. Geplant sind Maßnahmen für Sicherheit, Lieferketten und öffentliche IT-Projekte. Wichtig, weil: Open-Source soll mehr sein als eine billige Alternative, doch wie solide Finanzierung und Governance-Regeln aussehen, bleibt unklar.
Thema der Woche:
China als Maßstab: Warum sich die Tech-Debatte verschoben hat
China als Maßstab: Warum sich die Tech-Debatte verschoben hat
In den USA kursiert seit einigen Monaten ein Satz, der sehr viel über Gegenwartspolitik verrät: »You met me at a very Chinese time in my life.« Auf TikTok wird er tausendfach variiert. Menschen filmen sich beim Essen von Dumplings, beim Tragen chinesisch codierter Streetwear oder beim ironischen Lob heißem Wassers. Auch die Reiseberichte von Streamern wie Hasan Piker, die China von seiner funktionalen Seite zeigten, fügten sich nahtlos in diese neue Stimmung ein. Der Ton ist verspielt, manchmal selbstbewusst, manchmal bewusst überzeichnet. Doch der Trend ist nicht nur kulturell, er wirkt auch politisch, nur eben unabsichtlich.
Denn diese »China-Stimmung« hat erstaunlich wenig mit China als realem Ort zu tun. Sie ist kein Ausdruck vertieften Interesses an chinesischer Gesellschaft, Geschichte oder Politik. Sie funktioniert als Projektionsfläche. China steht hier für etwas Abwesendes. Für funktionierende Infrastruktur, industrielle Skalierung und einen Staat, der technologische Entwicklung nicht nur moderiert, sondern organisiert.
Aya Jaff: Broligarchie
Die Machtspiele der Tech-Elite und wie sie Fortschritt verhindern. Erschienen am 27. November 2025 im Ullstein Verlag.
Diese Projektion fällt nicht zufällig mit messbaren Verschiebungen im globalen Tech-Sektor zusammen. Während in den USA Industriepolitik meist defensiv geführt wird, als Reaktion auf Abhängigkeiten oder Sicherheitsrisiken, liefert China sichtbare Resultate. Besonders deutlich zeigt sich das im Bereich Elektromobilität. Für das Jahr 2025 wird geschätzt, dass rund 16 Millionen in China produzierte Elektrofahrzeuge verkauft wurden. In den USA lag die Zahl bei etwa einem Zehntel davon. Der Unterschied ist kein Konsumtrend, sondern das Ergebnis langfristiger Planung: kontrollierte Lieferketten, massive Batteriekapazitäten, staatlich flankierte Nachfrage und aggressive Skalierung.
