Guten Morgen,
zwar haben letzte Woche die USA und der Iran das Abkommen unterschrieben, doch am Wochenende schloss der Iran erneut die Straße von Hormus. Diese Woche wird sich mit den laufenden Verhandlungen zeigen, wie belastbar das Abkommen ist – und wie sich damit die Wirtschaftslage weiterentwickelt.
Die wirtschaftlich wichtigsten Termine der Woche sind:
- Die ganze Woche: Entwicklung der Spritpreise und Ölpreise
- Die ganze Woche: Die große Rentendebatte
- Mittwoch, 24. Juni und Donnerstag 25. Juni: Ifo-Geschäftsklimaindex und GfK-Verbrauchervertrauen
- Sitzungswoche im Bundestag

Die ganze Woche: Keine Entspannung der Benzinpreise?
Nach der Unterzeichnung des Abkommens zwischen dem Iran und den USA sind die Ölpreise auf unter 80 Dollar pro Barrel gesunken. Daraus folgt auch eine Senkung der Spritpreise. Beide sind zwar noch nicht auf Vorkriegsniveau, doch die Erleichterung ist sichtbar. Mit der kürzlichen Schließung der Straße von Hormus stiegen die Benzinpreise in Deutschland wieder sprunghaft an. Zu bemerken ist aber: Der Tankrabatt läuft noch. Nach seinem Ende läge der Preis wieder über der wichtigen 2-Euro-Marke.
Es bleibt die Frage, welche Lehren aus dem Preisschock gezogen werden müssen. Unsere aktuelle Surplus-Ausgabe »Der Preis des Krieges« widmet sich genau diesen Hintergründen.
Isabella Weber plädiert angesichts eines Preisschocks für einen Club der Ölkäufer, der durch seine Marktmacht einen Ölpreisdeckel durchsetzen könnte. Ein derartiger Käuferclub hätte das Potenzial, den Aufbau einer neuen internationalen Wirtschaftsordnung voranzutreiben:
Mit seiner gemeinsamen Organisierung von Importeuren aus Nord und Süd ersetzt er das Gesetz des Dschungels durch ein Prinzip der Solidarität.
Adam Tooze und Maurice Höfgen hingegen richten ihren Blick auf die Geld- und Inflationspolitik. In seinem Artikel zum Kampf um den Preis erklärt Adam Tooze, welchen Grundsätzen diese folgen müssten, um kleine und mittlere Einkommen statt Finanzanlagen zu schützen:
Inflationspanikmache ist fatal. (...) Die grundlegende Ausrichtung einer progressiven Politik sollte daher darin bestehen, der Erpressung mit der Begründung »Stabilität« entgegenzutreten.
Genau daran knüpft Maurice Höfgen mit seinem Artikel über die alten Fehler an. Mit Blick auf die Zinsherhöhungen der Zentralbanken schreibt er:
Doch wie genau sollen höhere Kreditzinsen die Straße von Hormus öffnen? Wie sollen sie Ölpreise senken, die wegen eines Krieges steigen? Die Vorstellung, man könne geopolitische Energieschocks mit geldpolitischer Härte bekämpfen, ist ignoranter Dogmatismus.


Die ganze Woche: Die große Rentendebatte
Diese Woche legen gleich zwei Rentenkommissionen ihre Ergebnisse vor. Am Dienstag die Kommission der Bundesregierung und am Donnerstag die Kommission des DGB. Beide dürften heftig diskutiert werden und für drohende Kürzungen eine entscheidende Rolle spielen. Von dem Bericht der Regierung wurden bereits einige Punkte geleakt:
- Renteneintritt: Rentenalter an Lebenserwartung gekoppelt (2:1), circa 67,5 Jahre ab 2041. »Rente mit 63« wird abgeschafft (Härtefallregelungen bleiben).
- Kapitaldeckung: Neues kapitalgedecktes System neben der Umlage (Vorbild Schweden). Beiträge +2 Prozentpunkte, gestreckt über vier Jahre ab 2028.
- Rentenniveau: Haltelinie 48 Prozent bis 2031, danach Nachhaltigkeitsfaktor (relatives, kein absolutes Absinken). Steuerfinanzierter Übergangsfaktor nur für Neurentner ab 2031.
- Finanzierung: Bleibt bei Beiträgen und Beitragsbemessungsgrenze; Mieteinkünfte und Ähnliches abgelehnt.
- Altersarmut: Vorrangig über steuerfinanzierte Grundsicherung; Freibetrag für Erwerbstätige.
- Beamte/Selbstständige: Beamte nicht einbezogen (gleiche Anpassungen aber in der Versorgung); künftige Selbstständige verpflichtend, Minijobs einbezogen.
- Gesamtversorgung: Ziel 70 Prozent des letzten Nettolohns aus allen Einkommensarten.
Im Laufe der Woche werden wir einige Artikel mit Einordnungen zu den Rentenvorschlägen veröffentlichen.
Stimmung nach Deal zwischen Iran und USA
Erholt sich die Wirtschaft in Deutschland nun angesichts fallender Preise auf dem Ölmarkt? Am Mittwoch veröffentlicht das Ifo-Institut seinen Geschäftsklimaindex. Es folgen Zahlen zum Verbrauchervertrauen des Nürnberg Instituts für Marktentscheidungen am Donnerstag. So dürfte sich das Konsumklima nur allmählich verbessern. Prognosen gehen derzeit von einem leichten Anstieg des GfK-Index von -30 auf -29 Punkte aus.

Auch aktuelle Konjunkturprognosen bleiben zögerlich. So korrigierte das Ifo-Institut seine Wachstumsprognose vergangene Woche lediglich um 0,2 Prozentpunkte nach oben und erwartet demnach 0,8 Prozent Wachstum des deutschen BIP. Hingegen könnten zumindest weitere Teuerungswellen, bei denen sich höhere Energiepreise auf andere Waren übertragen, ausbleiben oder begrenzt bleiben, wie das IMK analysierte.
Die ganze Woche: Sitzungswoche im Bundestag
Die wichtigsten Wirtschaftsdebatten diese Woche im Bundestag:
- Beratung des Infrastruktur-Zukunfsgesetzes der Bundesregierung am Donnerstag
- Anträge von Grünen und Linken zur Entlastung kleiner und mittlerer Einkommen am Donnerstag
- Beratung des Antrags der Fraktion Die Linke, die Gewinnmargen der Mineralölindustrie zu deckeln
- Antrag der AfD zur Auflösung des BMZ am Donnerstag
- Beratung des Gesetzentwurfs zur Entlastung der Länder und Kommunen am Donnerstag

Weitere wichtige Wirtschaftstermine diese Woche:
- Montag, 22. Juni: Bundesweiter Aktionstag der kommunalen Spitzenverbände unter dem Motto »Kommunen am Limit«, Tag der Industrie des BDI
- Dienstag, 23. Juni: Abstimmung im Wirtschaftsausschuss des Europäischen Parlaments über den Digitalen Euro, Jahrestreffen »New Champions« des Weltwirtschaftsforums (bis Mittwoch), Porsche AG Hauptversammlung, Kapitalmarktkonferenz 2026 Bafin, HCOB EMI, Ergebnisse Rentenpaket
- Mittwoch, 24. Juni: Werkstattgespräch der CDU zu »Klimaschutz, Wettbewerbsfähigkeit und der neuen geopolitischen Lage«, EU-Kommission stellt Pläne für einfachere Besteuerung und für Vorschriften für Energieprodukte vor, Bundeskabinett berät über Klimaschutzbericht
- Donnerstag, 25. Juni: Internationale Wiederaufbaukonferenz für die Ukraine in Danzig (bis Freitag), deutsch-britische Verteidigungsindustriekonferenz, Vorstellung eines Gutachtens zu einem möglichen Parteiverbot der AfD

Ich hoffe, dass Dir dieser Newsletter einen guten Überblick über die kommende Woche gegeben hat. Falls er Dir gefallen hat, schick diesen Newsletter gerne weiter oder schick mir Feedback, wie er noch besser werden könnte.
Einen guten Start in die Woche
Lukas Scholle
