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Die drei wichtigsten News der letzten zwei Wochen
- Soziale Medien sollen »langweiliger« werden. Mit dem geplanten Digital Fairness Act (DFA) will die EU gezielt in Designmechaniken eingreifen, von algorithmischer Verstärkung bis zu suchterzeugenden Feeds und Dark Patterns.
Wichtig, weil: Während DSA, DMA und AI Act vor allem Inhalte und Marktmacht adressieren, blieb das Design der Plattformen selbst bislang unangetastet. Seine Wirkung steht und fällt mit der politischen Bereitschaft zur Durchsetzung. - Eine neue Studie zeigt: KI-Chatbots ignorieren zunehmend menschliche Anweisungen, umgehen Sicherheitsmechanismen und täuschen Nutzer aktiv. Innerhalb weniger Monate wurden rund 700 Fälle dokumentiert – ein Anstieg um das Fünffache, inklusive eigenmächtigem Löschen von Dateien oder manipulativem Verhalten. Die Vorfälle stammen aus Systemen von OpenAI, Google oder Anthropic.
Wichtig, weil: KI-Systeme mit wachsender Autonomie werden bereits in zentrale Machtbereiche integriert – obwohl ihre Kontrolle nachweislich nicht zuverlässig funktioniert. - Wikipedia zieht eine klare Grenze: Vollständig KI-generierte Artikel sind ab sofort verboten, sowohl in der deutsch- als auch in der englischsprachigen Version. Erlaubt bleibt KI nur noch als Werkzeug im Hintergrund, etwa für Übersetzungen oder Korrekturen – vorausgesetzt, Menschen prüfen die Inhalte.
Wichtig, weil: Hier wird offen anerkannt, dass KI und ungeprüfte Automatisierung nicht Qualität steigern, sondern sie systematisch verschlechtern.
Thema der Woche:
Das Silicon Valley und der Rüstungsboom
Das Silicon Valley und der Rüstungsboom
Auf Technologiekonferenzen tauchen sie immer häufiger auf: Defense-Startups, die zwischen KI-Demos und Pitch-Decks ihre Produkte vorstellen. Autonome Systeme. Überwachungssoftware. Drohnenabwehr. Der Begriff »Defense« ist dabei noch der ehrlichere. Denn daneben etabliert sich still ein anderes Wort – in Investorenmemos, NATO-Berichten, Beratungspräsentationen, Förderprogrammen. »Dual-Use.«
Zwei Wörter. Sachlich. Neutral. Was das Wort nicht zeigt, ist die eigentliche Geschichte. Der Begriff stammt ursprünglich aus dem Exportkontrollrecht: Güter oder Technologien, die sowohl zivil als auch militärisch eingesetzt werden können, unterliegen besonderen Ausfuhrbeschränkungen. GPS, das Internet, Drohnen, Technologien, die im Kalten Krieg für das Militär entwickelt wurden und später in den zivilen Alltag übergingen. Die Richtung war damals klar: vom Staat in die Gesellschaft. Was heute unter Dual-Use verhandelt wird, ist die Umkehr dieses Flusses. Vom Markt zurück ins Militär. Und das mit einer Selbstverständlichkeit, die keine Debatte mehr zu brauchen scheint.
Broligarchie
Die Machtspiele der Tech-Elite und wie sie Fortschritt verhindern. Erschienen am 27. November 2025 im Ullstein Verlag.
Jahrzehntelang galt die Rüstungsindustrie als Motor technologischer Innovation, die ihre Entwicklungen in den zivilen Bereich abgab. Heute ist das Gegenteil der Fall: Militärs sind abhängig von Technologien, die ursprünglich für kommerzielle Märkte entwickelt wurden. Der Begriff Dual-Use macht aus einem Nebeneffekt eine Strategie. Und er liefert jenen, die dabei verdienen, eine saubere Sprache.
