Mit »Arbayt« hat Ebow am 1. Mai die erste Single aus ihrem kommenden Album »Typologie eines Lebens« veröffentlicht. Darin erzählt sie von der Arbeitsgeschichte ihrer Familie, von körperlichem Verschleiß, Klassenaufstieg ohne Sicherheit und der Erfahrung, in Deutschland oft nur so lange wertvoll zu sein, wie die eigene Arbeit verwertbar ist. Im Gespräch mit Surplus spricht die Rapperin über Gastarbeiterinnenbiografien, Queerness und Klasse, Merz’ Kürzungspolitik – und darüber, warum es mehr antikapitalistischen Rap braucht.
Maxine Fowé: Deine Single »Arbayt« ist am 1. Mai erschienen. Darin solidarisierst du dich explizit mit der Arbeiterklasse. Warum war dir das wichtig?
Ebow: Der 1. Mai ist mir wichtig. Ich erinnere mich daran, dass ich schon als Kind mit meinen Eltern auf die 1.-Mai-Demo gegangen bin. Der Song kommt aus der Reflexion, dass ich in meiner Familie die Erste bin, der es finanziell besser geht. Ich verdiene mehr Geld als meine Eltern. Und trotzdem merkt man: Wirklichen Wohlstand erreicht man nicht automatisch, weil dieses Wirtschaftssystem nicht dafür gemacht ist. Wenn man aus ärmeren Verhältnissen kommt und die Eltern kein Eigenheim oder Rücklagen haben, bleibt man verantwortlich. Man unterstützt die Familie mit, statt selbst abgesichert zu sein. Diese Erzählung vom Tellerwäscher zum Millionär stimmt einfach nicht. Das ist eher eine Hollywood-Geschichte. Auch viele große Artists sterben arm.
Im Musikvideo zu »Arbayt« zeigst du dich in harten körperlichen Jobs – als Lieferfahrerin, Müllfrau, Bauarbeiterin. Gleichzeitig sitzt du in einer Szene im Liegestuhl und liest »Das Kapital«. Was wolltest du mit diesem Kontrast erzählen?
