zum Inhalt
Das Wirtschaftsmagazin

EU importiert weiterhin große Mengen LNG aus Russland

Eigentlich will die EU kein LNG mehr aus Russland abnehmen. Eine Analyse zeigt, dass die Realität anders aussieht.

2 Minuten Lesedauer

LNG-Terminals in Jamal, Russland (Symbolbild). Credit: IMAGO/SNA

Über 76 Prozent der russischen Flüssiggas-Exporte von der arktischen Halbinsel Jamal gingen im Jahr 2025 in die EU. Das ergab eine Analyse der Umweltorganisation Urgewald, die Surplus vorab vorlag. Demnach brachten die Lieferungen Russland schätzungsweise 7,2 Milliarden Euro ein. Insgesamt gingen 15 Millionen der 19,7 Millionen Tonnen LNG aus Jamal in die EU, ungefähr ein halbes Prozent mehr als im Jahr zuvor. Bei dem Jamal-LNG-Projekt handele es sich um »das wichtigste LNG-Exportterminal Russlands«. Urgewald bezeichnete die anhaltend hohen Liefermengen als »brisant, da sich die EU-Fachministerinnen und das EU-Parlament im Dezember auf einen Stopp russischer LNG-Lieferungen bis Ende dieses Jahr geeinigt haben«.

Die Analyse basiere demnach auf Daten des Schiffsdaten-Providers Kpler. Demnach seien es LNG-Terminals in Frankreich und Belgien gewesen, die 2025 eine Schlüsselrolle für die Importe von Jamal in die EU gespielt haben. Zwei europäische Reedereien aus Großbritannien beziehungsweise Griechenland hätten Urgewald zufolge den Großteil der spezialisierten Eisbrecher-Tankerflotte bereitgestellt. Insgesamt stammten demnach 14,3 Prozent aller weltweiten LNG-Importe der EU aus Jamal. Die Organisation wertet dies als Zeichen, dass die Europäer so schnell nicht auf das Gas verzichten und noch »mindestens ein weiteres Jahr lang Milliarden Euro nach Moskau fließen lassen« würden.

Kritik an der EU

Urgewald-Sanktionsaktivist Sebastian Rötters sagte der Mitteilung zufolge: »Jede Ladung, die an einem EU-Terminal entladen wird, ist eine direkte Einzahlung in eine Kriegskasse, die das Gemetzel in der Ukraine anheizt. Wir müssen aufhören, Russlands Energiegewinne mit Sauerstoff zu versorgen, und die Jamal-Lücke jetzt schließen.«

Europa sei nicht nur Kunde, sondern »unverzichtbare Infrastruktur« des Jamal-Projektes. Denn die Lage in der Arktis erfordere spezialisierte Tankschiffe, die Russland auf der kürzestmöglichen Route halten müsse, um die Exportmengen aufrechtzuerhalten. Urgewald zufolge gebe es derzeit »keine praktikable Alternative zu den Kurzstreckenrouten, die zu den EU-Häfen führen«. Weil die EU das Entladen der Schiffe in europäischen Häfen erlaubt, fungiere sie als »logistische Lunge«: Dank ihr könnten die Tanker »schnell in die Arktis zurückkehren, um mehr Gas aufzunehmen, anstatt auf wochenlangen Reisen nach Asien gebunden zu sein«.

Urgewald kritisiert, dass die EU diesen Einfluss bislang nicht genutzt habe. Die Charterverträge würden sich Ende des Jahres ändern, weshalb jetzt der Moment sei, eine Überführung der Tanker in »Schattenflotten-Strukturen« zu verhindern.

Surplus News

#6 – Waffen oder Wohlstand

Die Rüstungsindustrie boomt, während beim Sozialen gekürzt wird. Das ist kein Wirtschaftsmodell der Zukunft.

Zum Magazin