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Das Wirtschaftsmagazin

Frank Thelen pocht auf Dialog mit der AfD – »Familienunternehmer« rudern zurück

Unternehmen in Deutschland diskutieren über ihren Umgang mit der AfD. Thelen und die Chefs von dm und dem Europapark wollen einen »Dialog« mit der Partei.

3 Minuten Lesedauer

Der Unternehmer Frank Thelen hält die Brandmauer für gescheitert. Credit: IMAGO/BREUEL-BILD

Während der Verband der »Familienunternehmer« nach scharfer Kritik seinen Umgang mit der AfD revidiert hat, plädiert der Unternehmer und Investor Frank Thelen weiter für Dialog mit der gesichert rechtsextremistischen Partei. In einem Linkedin-Beitrag von Samstag schreibt der 50-Jährige, es sei »nicht sachdienlich, den Dialog (zu der in Umfragen aktuell größten Partei) zu verbieten«. Auch dm-Chef Christoph Werner und Europapark-Gründer Roland Mack würden für Dialog plädieren. Hingegen mache das »Verhalten« der Unternehmen Roßmann und Vorwerk, die aus dem Lobbyverband ausgetreten sind, Thelen zufolge »(imho) die AfD stark und spaltet den Verband«.

Für den aus unter anderem der »Höhle der Löwen« bekannten Thelen sei das »Konzept #Brandmauer [...] gescheitert«. Er begründete das unter anderem mit den aktuellen politischen Kräfteverhältnissen: »Die FDP ist quasi tot, AfD die stärkste Kraft, die SPD historisch schwach ... Ich glaube, es ist Zeit für mutige Politik, offene Dialoge, unangenehme Wahrheiten (z. B. Rente) und neue Köpfe wie Milei.«

Thelen hat sich Anfang des Jahres erst in einem Brief an Elon Musk von der AfD distanziert und ihren »rechtsextremen Nationalismus« kritisiert, dabei allerdings auch betont, dass er wie Musk der »festen Überzeugung« sei, »dass Deutschland Bürokratie abbauen, sich von ,woken‘ Ideologien befreien und eine ganz andere Einwanderungspolitik verfolgen muss.« Das Parteiprogramm sowie Aussagen der AfD-Funktionäre Björn Höcke und Tino Chrupalla kritisierte er dafür, dass sie »einer kollektivistischen Ideologie, die einer starren Gruppenidentität Vorrang vor individueller Freiheit und marktwirtschaftlichen Prinzipien einräumt«, folgen würden.

Zuvor hatte dm-Chef Werner seine Position präzisiert. Der Spiegel und die Süddeutsche Zeitung (SZ) berichteten aus einem Statement des Vorsitzenden: »dm lehnt eine polarisierende Brandmauer-Debatte ebenso entschieden ab wie Positionen der Partei AfD, welche die freiheitlich-demokratische Grundordnung infrage stellen.« Der Gründer des Europaparks sagte bei einer Podiumsdiskussion des Südkuriers, er »habe ein Problem damit, wenn man mit gewissen Personen nicht mehr sprechen dürfen soll«. Es sei »notwendig und richtig«, mit Menschen zu sprechen, »die immerhin einen gewissen Anteil der Wählerstimmen versammeln«, so der 76-Jährige.

»Familienunternehmer« korrigieren ihren Kurs

Der Verband der »Familienunternehmer« ist stark in die Kritik geraten, nachdem er einen Kurswechsel im Umgang mit der AfD angekündigt hatte. Zunächst verteidigte der Verband seine Entscheidung. Am Sonntagabend teilte die Präsidentin des Verbandes, Marie-Christine Ostermann, nun mit: »Wir müssen andere Wege der Auseinandersetzung finden, wie wir der AfD kritisch begegnen und gleichzeitig deutlich machen können, wofür wir stehen.«

»Es ist das Gegenteil von dem passiert, was wir wollten. Wir haben Abgeordnete der AfD zum Parlamentarischen Abend eingeladen, damit sie auch von uns hören, dass ihr Programm wirtschaftsfeindlich ist und dem Standort Deutschland schadet. Leider ist öffentlich – auch durch Äußerungen der AfD – der falsche Eindruck entstanden, dass wir die Partei stärken wollten«, heißt es in der Stellungnahme Ostermanns.

Das Gegenteil sei richtig: »Wir distanzieren uns von Extremisten und lassen uns von ihnen nicht vereinnahmen. Wir erkennen an, dass sich diese Einladung als Fehler erwiesen hat und nicht zu dem geführt hat, was wir beabsichtigt haben.« Nun wolle der Verband der Familienunternehmer in den nächsten Wochen und Monaten mit seinen Mitgliedern über den Umgang mit der AfD diskutieren. Man werde sich »auch in den kommenden Landtagswahlen klar und sichtbar gegen die AfD positionieren«.

Der Verband hatte im Oktober zu einem Parlamentarischen Abend in einer Niederlassung der Deutschen Bank in Berlin erstmals auch Vertreter der AfD eingeladen. Ostermann sagte seinerzeit dem Handelsblatt, das »Kontaktverbot« zu AfD-Bundestagsabgeordneten sei aufgehoben worden. In der Folge traten die Unternehmen Rossmann, Vorwerk und Fritz-Kola aus dem Verband aus.


Der Kommentar

Es ist bezeichnend, wie schnell die Unternehmer in Deutschland umknicken, sobald sich der Wind dreht. Dass Thelen, Mack und Werner ihre Offenheit gegenüber einer rechtsextremistischen Partei mit dem Verweis auf deren hohe Umfragewerte begründen, legitimiert ihre Position nicht. Unter dem Deckmantel der Demokratie an der Demokratie zu sägen, ist perfide. Rechtsextremismus wird nicht weniger schlimm, weil mehr Menschen ihn unterstützen – im Gegenteil.

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