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Inflation springt hoch, Wachstum bricht ein: Die Stagflation kommt

Düstere Aussichten: Eine Wiederholung von 2022 droht – wenn Schwarz-Rot nicht sofort handelt. Ansätze werden seit Langem diskutiert.

4 Minuten Lesedauer

Collage: Surplus, Material: IMAGO/SNS UG/Depositphotos

Der Energiepreisschock ist da: Der Deutschen Presse-Agentur (dpa) zufolge ist die Inflation im März deutlich gestiegen und dem Handelsblatt zufolge senken die Wirtschaftsinstitute ebenfalls aufgrund der steigenden Energiepreise ihre Erwartungen für das Wirtschaftswachstum. Nach der vorläufigen Berechnung des Statistischen Bundesamtes lag die Teuerungsrate im März bei 2,7 Prozent nach 1,9 Prozent im Februar – der höchste Stand seit mehr als zwei Jahren. Laut Gemeinschaftsprognose des RWI Essen, DIW Berlin, Ifo München, IWH Halle und des Kiel-Instituts im Auftrag des Bundeswirtschaftsministeriums dürfte die deutsche Wirtschaft in diesem Jahr um nur noch 0,6 Prozent wachsen, wie das Handelsblatt berichtete.

Eine fossile Inflation

Maßgeblich beeinflusst wird die Inflation von den gestiegenen Energiepreisen. Diese stiegen im März im Vergleich zum Vorjahresmonat um 7,2 Prozent. Dienstleistungen seien dem Statistischen Bundesamt zufolge um 3,2 Prozent und Lebensmittel um 0,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat gestiegen. Die Preise in den letzteren beiden Bereichen dürften sich erst noch in den kommenden Monaten erhöhen, wenn die Energiepreise in den Wirtschaftskreisläufen ankommen. Das bestätigte der Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer gegenüber der dpa: »Der Anstieg der Inflation im März ist erst der Anfang. Die höheren Energiekosten werden sich in den kommenden Monaten durch die Wertschöpfungsketten fressen, sofern der Krieg nicht rasch endet.«

Deutsche-Bank-Volkswirt Sebastian Becker teilte mit, dass »mit jedem Tag, an dem die Energiepreise hochbleiben, auch die Wahrscheinlichkeit [steigt], dass der Energiepreisschock sich tiefer in den gesamten Warenkorb frisst«. Das dürfte sich »schon bald deutlich« bei den Nahrungsmittelpreisen bemerkbar machen.

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Der Verbraucherpreisindex des Statistischen Bundesamts misst die durchschnittliche Preisentwicklung aller Waren und Dienstleistungen, die private Haushalte für Konsumzwecke kaufen. Dabei wird ein repräsentativer Warenkorb unterstellt, der 650 Güterarten enthält und mit über 300.000 monatlichen Beobachtungen laufend aktualisiert wird. Die Preise der einzelnen Güterarten werden mit dem durchschnittlichen Anteil der Haushaltsausgaben der jeweiligen Art im Index gewichtet.

Wie stark die Inflation im Laufe des Jahres noch steigt, ist angesichts der Unvorhersehbarkeit des Krieges im Iran noch nicht absehbar. Allerdings hat die Deutsche Bank ihre Prognose bereits auf einen Jahresschnitt von 2,7 Prozent erhöht, »vorausgesetzt, dass es zu keiner weiteren Eskalation und noch höheren Öl- und Gaspreisen kommt«, wie es in der Mitteilung hieß. Die Rückkehr zum 2-Prozent-Inflationsziel sei damit »erst einmal vom Tisch«. Auch die Bundesbank warnte der dpa zufolge kürzlich, dass die Inflationsrate »deutlich in Richtung 3 Prozent ansteigen« dürfte.

Das Ifo-Institut teilte mit, dass deutlich mehr Unternehmen in Deutschland planen, ihre Preise zu erhöhen. Demnach kletterte der Indikator im März auf 25,3 Punkte, nach 20,3 Punkten im Februar. Das sei der höchste Wert seit März 2023. Klaus Wohlrabe, Leiter der Ifo-Umfragen, sagte laut Mitteilung: »Die Unternehmen geben steigende Kosten zunehmend weiter.« Die Energiepreise würden sich über »höhere Produktions- und Transportkosten« auch »auf Waren und Dienstleistungen durchschlagen«. Besonders deutlich könnten die Preise demnach in der Industrie und im Baugewerbe steigen. Dort stiegen die jeweiligen Preiserwartungen von 13 auf 20 beziehungsweise von 10 auf 20,2 Punkte. Auch konsumnahe Dienstleister erhöhten ihre Preiserwartungen kräftig von 25,1 auf 31,6 Punkte.

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»Die Punkte bei den Ifo-Preiserwartungen geben an, wie viel Prozent der befragten Unternehmen per saldo ihre Preise erhöhen wollen. Der Saldo ergibt sich, indem man vom prozentualen Anteil der Unternehmen, die ihre Preise anheben wollen, den prozentualen Anteil derer abzieht, die ihre Preise senken wollen.

Wenn alle befragten Unternehmen beabsichtigten, ihre Preise zu erhöhen, läge der Saldo bei +100 Punkten. Würden alle ihre Preise senken wollen, läge er bei −100. Der Saldo wurde saisonbereinigt. Das ifo Institut fragt nicht nach der Höhe der geplanten Preisänderung.«

Quelle: Ifo-Institut

Auch Verbraucherinnen und Verbraucher rechnen bereits mit einer neuen Inflationsphase. 90 Prozent der Befragten einer Yougov-Umfrage im Auftrag der Postbank rechnen in den kommenden Monaten mit steigenden Lebenshaltungskosten, wie die dpa berichtete.

Wirtschaftswachstum

Die Folgen des Energiepreisschocks und der Inflation haben Wirtschaftsinstitute nun auch in ihre Prognosen des BIPs für 2026 und 2027 einkalkuliert. Der Gemeinschaftsprognose nach dürfte die deutsche Wirtschaft in diesem Jahr um nur noch 0,6 Prozent und im kommenden Jahr um nur noch rund ein Prozent wachsen, wie das Handelsblatt berichtete. In der vergangenen Prognose vor rund einem halben Jahr gingen die Institute demnach noch von einem Wachstum von 1,3 Prozent in diesem und von 1,4 Prozent im kommenden Jahr aus.

Die Zahlen sind bislang vorläufig und werden erst am Mittwoch vorgestellt, das Handelsblatt erfuhr sie eigenen Angaben zufolge aus Insiderkreisen vorab.


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