Die Demokratische Republik Kongo (DRK) ist einer der größten Staaten Afrikas. Seine Geschichte ist von Kolonialismus geprägt. In seinem berühmten Roman Herz der Finsternis beschrieb der britische Schriftsteller Joseph Conrad schon 1899 die koloniale Gewalt durch die Belgier entlang des Congo Rivers. Die rücksichtslose Ausbeutung der Rohstoffe des Landes lässt es wirtschaftlich bis heute nicht vorankommen. Mit etwa 110 Millionen Einwohnerinnen und Einwohnern gehört die DR Kongo zu den bevölkerungsreichsten Ländern des Kontinents. Die Bevölkerung wächst schnell, das Medianalter liegt bei unter 18 Jahren. Gleichzeitig verfügt das Land über große Vorkommen an Kupfer, Kobalt, Gold, Coltan, Zinn, Lithium und Mangan. Vor allem Kupfer und Kobalt machen die DR Kongo zu einem zentralen Lieferanten für Batterien, Stromnetze, Halbleiter, Rechenzentren und militärische Anwendungen. Hinzu kommt der zweitgrößte tropische Regenwald der Welt, der rund 60 Prozent der tropischen Waldflächen Afrikas ausmacht.
Trotz des Ressourcenreichtums gehört das Land zu den ärmsten Volkswirtschaften weltweit. Im Jahr 2024 lebten schätzungsweise etwa drei Viertel der Bevölkerung von weniger als 2,15 Dollar pro Tag (kaufkraftbereinigt). Jede sechste Person, die in Afrika südlich der Sahara in extremer Armut lebt, lebt in der DR Kongo. Die Lebensbedingungen werden durch Gewalt und Unsicherheit verschärft. Besonders in den östlichen Provinzen sind staatliche Strukturen schwach und bewaffnete Konflikte erschüttern immer wieder die Region. 2023 lebten rund 6,4 Millionen Menschen als Binnenvertriebene im Land, weitere etwa drei Millionen kehrten nach Vertreibung oder Flucht zurück. Dürren und Überschwemmungen beeinträchtigen regelmäßig die landwirtschaftliche Produktion und treffen überwiegend Haushalte, die bereits von informellen Einkommen und Subsistenzwirtschaft abhängig sind.

Kolonial- und Gewaltökonomie
Die wirtschaftliche Einbindung des Kongo in die Weltwirtschaft begann Ende des 19. Jahrhunderts unter extremen Bedingungen. Ab 1885 wurde das Gebiet zunächst als persönlicher Besitz des belgischen Königs Leopold II. verwaltet, später als belgische Kolonie. Wirtschaftlich dominierte ein strikt extraktives Modell. Rohstoffe wurden gefördert, gesammelt und exportiert. Infrastrukturinvestitionen, wie etwa in Eisenbahnen, Flusshäfen und, Straßen, dienten nahezu ausschließlich dem Abtransport dieser Güter. Produktion für den Binnenmarkt, industrielle Weiterverarbeitung oder eine Beteiligung der lokalen Bevölkerung an der Ausbeutung des Reichtums gab es keine.
Nach der Unabhängigkeit 1960 blieb dieses Muster in seinen Grundzügen erhalten. Unter Mobutu Sese Seko entwickelte sich ein hochzentralisiertes System, in dem politischer Einfluss den Zugang zu Rohstoffrenten regelte. Einnahmen aus Kupfer, Diamanten und anderen Mineralien flossen in Patronagenetzwerke, während staatliche Institutionen geschwächt wurden. In den 1970er Jahren sorgten hohe Rohstoffpreise für steigende Staatseinnahmen, doch Investitionen in produktive Strukturen und in eine Diversifizierung der Wirtschaft blieben begrenzt.

Während der Mobutu-Herrschaft war die kongolesische Ökonomie eng in die geopolitischen Strukturen des Kalten Krieges eingebunden: Die Republik Zaïre im Gebiet der heutigen DR Kongo galt für die USA, Belgien und Frankreich als strategischer Ankerstaat in Zentralafrika. Ausschlaggebend waren sicherheitspolitische Interessen: die Kontrolle über ein rohstoffreiches Territorium, der Zugang zu strategischen Metallen wie Kupfer, Kobalt und Uran sowie die Eindämmung sowjetischen Einflusses. In der Folge erhielt Zaïre über Jahrzehnte umfangreiche externe Unterstützung in Form von Entwicklungshilfe, militärischer Kooperation, Budgethilfen und Krediten internationaler Finanzinstitutionen. Massive Korruption und Kapitalflucht wurden toleriert, solange Mobutu als verlässlicher antikommunistischer Partner galt. Besonders in der Hochphase des Kalten Krieges in den 1980er Jahren stieg die Entwicklungshilfe massiv an: Zwischen 1984 und 1989 erhöhten sich die Zuflüsse über die Entwicklungshilfe von knapp 4 Prozent des Bruttonationaleinkommens auf zeitweise über 8 Prozent. 1990 erreichten sie mit über 10 Prozent einen historischen Höchststand. Zum Vergleich: Der regionale Durchschnitt in Afrika südlich der Sahara belief sich in der Zeit auf 4 Prozent.
