Weil Beschäftigte heute im Schnitt vier Krankheitstage mehr pro Jahr haben als 2022, echauffiert sich unser Bundeskanzler Friedrich Merz über den volkswirtschaftlichen Verlust, unterstellt häufigeres Blaumachen (besonders per telefonischer Krankschreibung) und fragt sich, wie wir »die besseren Anreize setzen«, damit Menschen »zur Beschäftigung gehen« und weniger krank sind.
Zunächst muss man sagen, dass der sprunghafte Anstieg der Krankheitstage seit dem Jahr 2022 auch daher kommt, dass man die elektronische Krankschreibung eingeführt hat. Krankschreibungen, die vorher durchs Raster gefallen sind, werden jetzt statistisch besser erfasst. Wir hatten zudem mit Corona eine Jahrhundert-Pandemie – das scheint Friedrich Merz schon vergessen zu haben –, die heute noch immer Menschen krank macht und sich als regelmäßiger Erkältungsgrund neben der Grippe und anderen Erkältungserregern etabliert hat. Außerdem gibt es Hunderttausende Longcovid-Fälle, die Menschen über lange Zeit aus dem Job nehmen und die Statistik beeinflussen.
Was hingegen kein relevanter Faktor ist: die telefonische Krankschreibung. Zu dem Ergebnis kommt eine Studie der Krankenkasse AOK von Anfang 2025. Sie sieht bei der telefonischen Krankschreibung »keinerlei Anzeichen für einen systematischen Missbrauch«. 75 Prozent der für die Studie befragten Beschäftigten nannten die telefonische Krankschreibung damals sinnvoll oder sehr sinnvoll, weil man nicht krank zum Arzt müsse und Kontakt zu anderen Menschen im Wartezimmer vermeiden könne. Genau aus diesem Grund finden Ärzte die Regelung gut und wollen sie beibehalten.
Abonniere unseren kostenlosen Newsletter, um diesen Text weiterzulesen:
Zum NewsletterGibt’s schon einen Account? Login
