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Das Wirtschaftsmagazin

Kleine Wohnung, maximale Rendite: Das Geschäft mit den Mikroapartments

In der Idee der Mikroapartments steckt echtes Potenzial für die Wohnungskrise. Doch derzeit werden sie oft zur Falle.

4 Minuten Lesedauer

In Großstädten gibt es immer mehr Mikroapartments (Symbolbild). Credit: IMAGO/Friedrich Stark

Was Deutschland bräuchte: kleine, bezahlbare Wohnungen für Auszubildende, Studierende, Berufseinsteigerinnen, Menschen höheren Alters, Alleinstehende. Und wenn es sich um barrierefreien Neubau handelt, vor allem auch für Menschen mit Behinderung. Was Deutschland bekommt: teure, möblierte Mikroapartments – zeitlich befristet.

Insbesondere Bewohnerinnen in Großstädten dürften die sogenannten Mikroapartments schon begegnet sein. Meist sind es direkt Dutzende kleine Wohnungen, die sich in einem Komplex befinden. Sie sind möbliert und werden zeitlich begrenzt vermietet. Zum Angebot gehören häufig Extras wie Rezeption oder Service-App, Gemeinschaftsräume, Fitnessraum. Aber wer hat danach gefragt? Klar, das Konzept ergibt bis zu einem gewissen Maß Sinn, vor allem in Städten wie Frankfurt am Main, Berlin oder Düsseldorf. Dort, wo Menschen temporär beruflich zwischenlanden müssen, können Mikroapartments eine angenehme Alternative zum Hotel oder zur Ferienwohnung sein. Doch das Angebot dürfte diesen Bedarf mittlerweile weit übersteigen.

Hohe Mieten, hohe Renditen

Das zeigt auch ein aktueller Marktbericht der Initiative Micro-Living, einem Zusammenschluss aus Unternehmen, die mit Apartmenthäusern Geld verdienen. Der Bericht betrachtet 128 Apartmenthäuser mit rund 28.300 Einheiten deutschlandweit mit Fokus auf Studentenwohnen. Demnach sind 26 Prozent der Mietenden Studierende, 64 Prozent sind eine Mischung aus Single-Haushalten, Young Professionals, Pendlern und anderen.

Die Anbieter sehen also längst nicht nur Geschäftsreisende, Pendlerinnen und Expats als ihre Zielgruppe. Sie adressieren Studierende und Berufseinsteigerinnen auch ganz konkret. Das ist zynisch, weil der Preis der privatwirtschaftlichen Anbieter im Schnitt bei 702 Euro im Monat für 26 Quadratmeter liegt, Tendenz steigend. Das ist zwar eine All-in-Miete. Das bedeutet aber auch, dass es für die Mietenden keinen finanziellen Anreiz gibt, Strom, Wasser und Heizung sparsam zu nutzen, da am Ende sowieso keine Rückzahlung auf dem Konto landet.

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Lara Schulschenk

Lara Schulschenk hat Soziologie in Frankfurt studiert und die Deutsche Journalistenschule in München absolviert. Sie war Reporterin für die Frankfurter Rundschau und Redakteurin für den SPIEGEL. Zuletzt erschien ihr Buch »No Sweet Home«.

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