Im Vorfeld der diesjährigen Frühjahrstagungen des Internationalen Währungsfonds und der Weltbank stach eine Meldung besonders hervor: Die Weltbank hatte sich der Industriepolitik zugewandt, nachdem sie jahrzehntelang davon abgeraten hatte. Doch während sich ein Großteil der anschließenden Debatte darauf konzentrierte, ob diese »Kehrtwende« gut oder schlecht, überfällig oder gefährlich sei, stellten sich nur wenige die grundlegende Frage: Was hat sich tatsächlich geändert?
Die Bank hat lediglich bestätigt, was viele von uns schon lange argumentiert haben: Der Rahmen, den sie seit 1993 gefördert hat – als ihr Bericht »Das ostasiatische Wunder« vor industriepolitischen Instrumenten warnte –, hat den Entwicklungsländern nicht gut gedient. Solche Ratschläge, so stellte der Chefökonom der Weltbank, Indermit Gill, kürzlich fest, »haben heute den praktischen Wert einer Diskette«. Doch in seiner Verteidigung des Berichts machte er auch deutlich, wie begrenzt dieser Wandel nach wie vor ist. Industriepolitik, so argumentierte er, sollte »zielgerichtet und vorübergehend« sein, eine Ausnahme vom marktorientierten Modell, und nicht ein Instrument zur Förderung umfassenderer wirtschaftlicher Transformationen.
