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Das Wirtschaftsmagazin

So haben sich die Preise im 21. Jahrhundert entwickelt

Teurere Lebensmittel spürt man sofort an der Kasse. Doch die Preise eines anderen Gutes sind viel gravierender – und ein systemisches Problem.

5 Minuten Lesedauer

Erhöhte Preise begegnen einem derzeit vor allem an der Zapfsäule (Symbolbild). Credit: IMAGO/Photo News

Jeder spürt es: Die Preise sind in den vergangenen Jahren kräftig erhöht worden. Von 2021 bis 2025 lag die Inflation – die Steigerungsrate aller Preise – bei durchschnittlich 4 Prozent pro Jahr, doppelt so hoch wie die Zielinflation von 2 Prozent pro Jahr. Das führte laut dem Wirtschaftsprofessor Tom Krebs zu den »größten Reallohnverlusten der Nachkriegsgeschichte«. Erst 2025 erreichten die Löhne wieder knapp das Niveau von 2019. Sechs Jahre, kein Plus.

Die Inflationsphase war von einem starken Kostendruck bei den Energieimporten geprägt. Da fossile Energien den Wirtschaftskreislauf antreiben, hatte dies Auswirkungen auf das gesamte Preisniveau. Auch die Surplus-Auswertung der Verbraucherpreise in der längeren Frist zeigt, dass Energiepreise der Inflation vorausgehen. Seit 2000 sind die Verbraucherpreise im Schnitt um die Hälfte gestiegen, doch »unter der Haube« findet sich eine große Streuung der einzelnen Preise.

Energie und Verkehr treiben die Preise

Den Spitzenplatz im Preiswachstum seit 2000 belegen Tabakwaren, zu denen auch die Liquids für E-Zigaretten gehören. Sie haben sich in den vergangenen 25 Jahren um 229 Prozent verteuert, was sich maßgeblich auf das niedrige Anfangsniveau und die hohe, steigende Tabaksteuerlast zurückführen lässt – die bis zu 70 Prozent des Ladenpreises ausmacht. Im europäischen Vergleich sind die deutschen Tabakpreise jedoch recht niedrig.

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Der Verbraucherpreisindex des Statistischen Bundesamts misst die durchschnittliche Preisentwicklung aller Waren und Dienstleistungen, die private Haushalte für Konsumzwecke kaufen. Dabei wird ein repräsentativer Warenkorb unterstellt, der 650 Güterarten enthält und mit über 300.000 monatlichen Beobachtungen laufend aktualisiert wird. Die Preise der einzelnen Güterarten werden mit dem durchschnittlichen Anteil der Haushaltsausgaben der jeweiligen Art im Index gewichtet.

Gleich dahinter folgt Erdgas auf Platz 2 mit einer Preissteigerung von 214 Prozent seit 2000. Bis 2021 erfolgte hier eine moderate Preisentwicklung. Infolge des russischen Angriffskriegs in der Ukraine wurden die Erdgaslieferungen aus russischen Pipelines eingestellt und Deutschland musste teureres LNG aus den USA und Katar einkaufen. Seit der Spitze im Jahr 2023 ist der Preis etwas gesunken, wegen des jüngsten Angriffskriegs der USA und Israels auf den Iran steigt er aber wieder kräftig. 

Wegen der wichtigen Rolle von Erdgas und weiteren fossilen Energieträgern für die Produktion von Strom, Wärme, Mobilität und chemischen Vorprodukten üben hier Preisveränderungen Druck auf das gesamte Preisniveau aus. In Deutschland liegen alle Energiepreise über der Inflation. Der Strompreis ist seit 2000 um 175 Prozent gestiegen, feste Brennstoffe um 103 Prozent, Heizöl um 80 Prozent und Autokraftstoffe um 78 Prozent. 

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Max Hauser

Max Hauser ist Politökonom und Redakteur bei Surplus. Er hat Volkswirtschaftslehre in Berlin, Rom und Paris studiert.

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