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Das Wirtschaftsmagazin

Dass die Reichen bei Besteuerung abhauen, ist ein Mythos

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Martyna Linartas: Wenn wir die Reichen besteuern, hauen sie einfach alle ab, oder? Kapital ist ein scheues Reh? Das ist reinster Quatsch. Einer der Hauptgründe dafür ist: In Deutschland haben wir die Wegzugsteuer seit 1972. Das heißt, wenn hier besonders reiche Menschen einfach abhauen würden, würde diese Steuer greifen. Sie wird nämlich fällig auf Betriebsvermögen. Das ist die Form von Vermögen, die vor allem sehr, sehr reiche Menschen halten.

Das Netzwerk Steuergerechtigkeit hat sich einen Fall herausgepickt und sich genau angeschaut: Was passiert eigentlich, zum Beispiel, wenn Susanne Klatten, die reichste Frau Deutschlands, wegziehen würde? Sie müsste auf einen Schlag 6,5 Milliarden Euro auf den Tisch packen. Das ist eine ganz schön große Summe Geld. Das wird sie nicht mal so machen.

Aber es gibt noch ein paar weitere wichtige Gründe. Nummer eins: Milliardäre und Multimillionäre sind auch nur Menschen. Sie haben eine Muttersprache, ihre Familie hier, Netzwerke, Fachwissen und politischen Einfluss. Das alles gibt man nicht auf wegen ein paar Prozentpunkten. Und es gibt eine sehr breite Studienlage für Deutschland, für Norwegen, für Spanien, für die USA. Die haben sich genau diesen Mythos angeschaut. Stimmt es eigentlich? Hauen die alle ab unterm Strich? Nein. Mein Lieblingssatz aus einer dieser Studien ist: Milliardäre sterben mehr, als dass sie auswandern.

Martyna Linartas

Martyna Linartas ist Ungleichheitsforscherin und Herausgeberin von Surplus. Sie hat die Wissensplattform ungleichheit.info mitgegründet und das Buch »Unverdiente Ungleichheit« (Rowohlt) veröffentlicht.