Anfang der 1970er Jahre hat die italienisch-amerikanische Philosophin Silvia Federici die Kampagne »Wages for Housework« mitbegründet. Die Forderung nach Lohn für Hausarbeit sollte zeigen, welche zentrale Rolle die Hausarbeit für die Reproduktion der Arbeitskraft einnimmt. Im Gespräch erklärt Federici, wie die Forderung nach Lohn für Hausarbeit heute zu verstehen ist, wie sie auf das Phänomen der Tradwives blickt, und warum auch die Aufrüstung ein feministisches Thema ist.
Livia von Samson: 50 Jahre nach dem Start der Kampagne »Wages for Housework« (Lohn für Hausarbeit) wird diese Forderung heute oft falsch verstanden – als ein reiner Gehaltsscheck für Hausfrauen oder als nostalgischer Slogan, der inzwischen überholt ist. Worum ging es Ihnen damals?
Silvia Federici: Hintergrund waren der antikoloniale Kampf und vor allem der Kampf, den Schwarze Frauen in den USA Ende der 1960er und in den 70er Jahren um Wohlfahrtsleistungen führten – genauer gesagt um ein Programm, mit dem alleinerziehenden Müttern eine monatliche Beihilfe gewährt werden sollte. »Wages for Housework« war aber vor allem eine Reaktion auf die Tatsache, dass Hausarbeit für die meisten Frauen die Hauptbeschäftigung war und als völlig selbstverständlich galt. Sie wurde und wird nicht als Arbeit verstanden, die allen Arbeitgebern zugutekommt, weil Arbeitskräfte reproduziert werden. Darüber hinaus werden dadurch Frauen in die Abhängigkeit von Männern gezwungen.
Das Besondere war, zu sagen: Hausarbeit ist keine »natürliche« Tätigkeit. In dieser Gesellschaft ist Reproduktionsarbeit Teil der kapitalistischen Produktion. Wir produzieren kein Abendessen, wir produzieren Arbeitskräfte.