Der Krieg gegen den Iran hat das Thema Energie erneut in den Mittelpunkt der globalen politischen Ökonomie gerückt: Durch die zeitweise gesperrte Straße von Hormus fließt für gewöhnlich ein Fünftel des weltweiten Öl- und LNG-Transports. Der aktuelle Waffenstillstand bringt etwas Erleichterung, doch er beseitigt nicht die geostrategischen Risiken.
Wie schon bei Russlands Invasion in der Ukraine hat sich die geopolitische Instabilität schnell auf die internationalen Öl- und Gasmärkte ausgewirkt und die Preise für fossile Brennstoffe in die Höhe getrieben. Dieser Anstieg der Preise für fossile Brennstoffe hat sich über vielfältige Kanäle auf die Wirtschaft ausgewirkt. Er erhöht die Transport- und Industriekosten und treibt gleichzeitig die Strompreise in die Höhe, da Gas in vielen Ländern weiterhin als die Technologie fungiert, die den Grenzkostenpreis bestimmt. Die Folge ist eine steigende Energieinflation, die sich – sollte der Konflikt nach dem Waffenstillstand andauern – auf die gesamte Preisstruktur der Volkswirtschaften ausweiten wird. Doch Spanien zeigt, dass Widerstandsfähigkeit gegen Preisschocks möglich ist. Andere europäische Länder können daraus lernen.
Die Importabhängigkeit der Europäischen Union
Die Europäische Union ist besonders gefährdet, sie bezieht mehr als 90 Prozent ihres Erdgases und fast ihr gesamtes Öl aus dem Ausland. Diese Anfälligkeit wird ihr auf schmerzhafte Weise vor Augen geführt: Bereits im ersten Monat des Konflikts stiegen ihre Importkosten für fossile Brennstoffe um mehr als 7 Milliarden Euro. Die Auswirkungen sind jedoch nicht gleich. Unterschiede im Energiemix, in der heimischen Erzeugungskapazität und im Elektrifizierungsgrad führen zu deutlich unterschiedlichen Folgen in den einzelnen Ländern.
In Volkswirtschaften wie Italien, Deutschland und den Niederlanden, wo Erdgas sowohl für die Stromerzeugung als auch für den Endverbrauch nach wie vor eine zentrale Rolle spielt, führen höhere Gaspreise direkt zu gestiegenen Energiekosten und einem stärkeren Inflationsdruck.
Im Gegensatz dazu erweisen sich Länder mit diversifizierteren und stärker elektrifizierten Energiesystemen als widerstandsfähiger. Unter den größten Volkswirtschaften der Eurozone sticht Spanien hervor. Der schnelle Ausbau erneuerbarer Energien verringert dort die Anfälligkeit gegenüber Preisschwankungen bei fossilen Brennstoffen.
Spaniens Preisvorteil: Erneuerbare Energien
In den letzten zehn Jahren hat Spanien massiv in Windkraft und vor allem in Photovoltaik investiert und deren Anteil am Strommix deutlich erhöht. Diese beschleunigte Energiewende hat dazu geführt, dass bis 2025 insgesamt 56 Prozent der Stromerzeugung in Spanien aus erneuerbaren Quellen stammten – 22 Prozentpunkte mehr als im Jahr 2019.

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