Um künstliche Intelligenz (KI) zu betreiben, braucht es Rechenzentren. Diese haben allerdings einen hohen Energieverbrauch: Laut der Internationalen Energieagentur könnte der globale Stromverbrauch durch Rechenzentren bis 2030 um 15 Prozent ansteigen, dieser Anstieg ist viermal schneller als in anderen Sektoren. Darauf verweist die Umweltschutz-Organisation Urgewald in einer neuen Analyse.
Bislang werden Rechenzentren überwiegend in China und den USA gebaut, das hat massive Auswirkungen auf deren Energieinfrastruktur. Die Länder belegen nicht nur die ersten beiden Plätze in Sachen KI, sondern auch beim Gaskraftwerksausbau. In den USA laufen bereits heute etwa 40 Prozent der Rechenzentren mit fossilem Gas, schreibt Urgewald. Laut GOGEL 2025 sollen demnach noch 125 GW an Gaskraftwerkkapazitäten hinzukommen.
Auch Deutschland setzt auf Gas
Um den Energiehunger der Rechenzentren zu stillen, wird laut einer Urgewald-Recherche auch in Deutschland voraussichtlich Gas-Infrastruktur ausgebaut. Rund 12 Prozent des geplanten Ausbaus von Gaskraftwerken stehen mit Rechenzentren in Verbindung, das entspricht etwa 1,55 GW. Die Informationslage ist dünn. Nur wenige Rechenzentrumsprojekte geben öffentlich an, für ihren Betrieb Strom aus fossilem Gas erzeugen zu wollen. Auf der anderen Seite scheinen Stromerzeuger das Potenzial für Zusammenarbeit bereits erkannt zu haben. Uniper plant aktuell das Gaskraftwerk Staudinger Block 8 mit 890 Megawatt Leistung und wirbt dabei für die Ansiedlung von Rechenzentren. Das Unternehmen Siemens Energy bietet ein ready-to-use-Energiepaket für Rechenzentren an, bei dem 500 MV-Gasturbinen mitgeliefert werden.
Auch Projekte, die vermeintlich auf erneuerbare Energien setzen, bauen Gasinfrastruktur aus. Die Mainzer Stadtwerke wollen mit dem Projekt »Green Rocks« den Ausbau von KI durch erneuerbare Energien ermöglichen, doch auch dieses Projekt erfordert laut Urgewald den Bau eines neuen Gaskraftwerks für Notstrom.
Umsetzung unklar
Jenseits einiger Pilotprojekte ist noch nicht klar, wie sehr der Ausbau künstlicher Intelligenz zum Ausbau der Gasinfrastruktur führen wird. Ob Deutschland überhaupt Standort zahlreicher Rechenzentren wird, ist bislang offen, da die USA und China bereits große Kapazitäten aufgebaut haben. Zudem stellt sich die Frage, ob der Hype um KI spekulationsgetrieben ist: Bereits angekündigte Investitionen könnten doch ins Wasser fallen, oft fehlen bisher finanzielle Zusagen.
Doch der Bau von Gaskraftwerken hat weitreichende Folgen, da die Betriebsdauer eines Kraftwerks 25 bis 40 Jahre beträgt. Als fossiler Energieträger führt jedes Gaskraftwerk zu mehr CO₂-Ausstoß und zu einer Verschärfung der Klimakrise. Versprechen, Gaskraftwerke auch für Wasserstoff nutzbar zu machen, gehen nicht auf, da grüner Wasserstoff nicht zur Genüge verfügbar ist. Die Alternative, blauer Wasserstoff, soll durch Erdgas gewonnen werden. Doch das ist laut Urgewald aufgrund von Transportkosten und Emissionen bei der Produktion keine geeignete Alternative.
Moritz Leiner, Co-Autor der Recherche, sagte, der KI-Hype werde ohne »politische Leitplanken« zu einem »Bremsklotz für die Energiewende«. »Politik und Geldgeber müssen sicherstellen, dass Rechenzentren nur dann gebaut werden, wenn die Betreiber eine Versorgung mit zusätzlichem Strom aus eigens dafür betriebenen Wind- und Solaranlagen im Zusammenspiel mit leistungsfähigen Batteriespeichern sicherstellen können«, so Leiner.
Der Ausbau von Gaskraftwerken führt auch zu mehr Abhängigkeiten von internationalen Gaslieferanten. Als Russland im Jahr 2022 die Pipelines abdrehte, kam es zu einem dramatischen Preisanstieg von Energie. Der Anstieg war maßgeblich von den Profiten der Energiekonzerne getrieben, doch auch Ergebnis eines Wegfalls eines direkten Gaslieferanten.
