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Epstein-Files: Diese weltbekannten Ökonomen sind drin

Zu den Promis aus Epsteins Netzwerk gehören auch weltbekannte Ökonomen. Das zeigt das strukturelle Versagen einer ganzen Disziplin.

6 Minuten Lesedauer

Larry Summers (l) und seine Ehefrau (m) sind auf einem Foto aus den Epstein-Files abgebildet. Credit: IMAGO/ZUMA Press

Es wird immer deutlicher, dass das Netzwerk von Jeffrey Epstein jeden Bereich der Gesellschaft durchdringt. Mit Noam Chomsky und Stephen Hawking gehörten zwei der einflussreichsten Wissenschaftler der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts zu seinen Vertrauten. Und wie Boris Rosenkranz in einer Übermedien-Recherche berichtete, arbeitete John Brockman, der zahlreiche international renommierte Wissenschaftler als Agent vertritt, eng mit Epstein zusammen und organisierte immer wieder Treffen zwischen dem Sexualstraftäter und der globalen Wissenschaftselite. Es ist also nicht verwunderlich, dass sich auch Ökonomen in den Epstein-Files finden, von denen bisher rund 3,5 Millionen Seiten veröffentlicht wurden. Was bei den beiden prominentesten unter ihnen, Lawrence Summers und Dan Ariely, allerdings heraussticht: Sie sind in der Vergangenheit bereits durch zahlreiche Skandale aufgefallen – ohne große berufliche Konsequenzen.

Larry Summers: Der Uncancelbare

Es ist schwer, einen Ökonomen zu finden, der in den vergangenen 35 Jahren mehr Einfluss hatte als Lawrence »Larry« Summers. Von 1991 bis 1993 war er Chefökonom der Weltbank, zwischen 1999 und 2001 Finanzminister unter Bill Clinton, zwischen 2001 und 2006 Präsident Harvards und von 2009 bis 2011 Vorsitzender des nationalen Wirtschaftsrates (National Economic Counsel) und damit ökonomischer Chefberater Barack Obamas. Zuletzt saß er im Vorstand von OpenAI. Bei diesen vielen renommierten Stationen in einer erfolgreichen Karriere könnte man meinen, dass es sich bei Summers nicht nur um einen kompetenten Ökonomen, sondern auch um einen tadellosen Menschen handelt.

Bereits Ende vergangenen Jahres kam aber heraus, dass Summers sehr engen und freundschaftlichen Kontakt mit Epstein pflegte. Die beiden Männer standen den vom US-Justizministerium veröffentlichten Dokumenten zufolge nicht nur in regelmäßigem Austausch, zwischen 2018 und 2019 wandte sich Summers auch immer wieder mit der Bitte um Tipps an Epstein, wie er eine Frau erobern könne, für die er als Mentor agierte. Epstein bezeichnete sich selbst als Summers‘ »Wingman«. Die veröffentlichten Nachrichten zwischen Summers und Epstein machen den Anschein, dass Summers sich seiner Machtposition bewusst war: »Sie muss sehr verwirrt sein oder vielleicht will sie mich abweisen, aber will die professionelle Verbindung sehr und hält deswegen daran fest.« (»She must be very confused or maybe wants to cut me off but wants professional connection a lot and so holds to it.«) Woraufhin Epstein antwortet: »Sie ist clever. Lässt dich für deine vergangenen Fehler bezahlen.« (»shes smart. Making you pay for past errors.«)

Gegen Epstein wurde bereits 2005 wegen der Belästigung eines 14-jährigen Mädchens ermittelt. Seit 2008 war er in New York als »Level 3 sex offender« registriert, also als Sexualstraftäter, der ein hohes Rückfallrisiko hat und eine öffentliche Bedrohung darstellt. Wer in den 2010ern Kontakt mit Epstein pflegte, hätte also wissen können, was für ein Mann er ist.

Der größere Skandal ist aber, dass Summers überhaupt so eine Karriere hinlegen konnte. Bereits 1991 hätte diese zu Ende sein können. Als Chefökonom der Weltbank unterschrieb Summers ein Memo, das sich dafür aussprach, die Weltbank solle Anreize für die Giftmüll-Industrie schaffen, in die »am wenigsten entwickelten Länder« der Welt zu migrieren. Einer der Gründe: Summers habe immer geglaubt, dass die unterbevölkerten Länder Afrikas auch »unter-verschmutzt« seien. Ein weiterer: Weil die Löhne in armen Ländern geringer sind, ist die erhöhte Sterblichkeit durch den Giftmüll aus ökonomischer Sicht dort am »günstigsten«. Später behauptete Summers, dass dieses Memo nicht ernst gemeint war, sondern eine bewusste Übertreibung darstellen sollte, und dass er seine Unterschrift bedauere.

Der nächste Skandal ereignete sich 2005 während Summers’ Amtszeit als Harvard-Präsident. Während eines privaten Essens soll Summers gesagt haben, der Grund, dass es so wenige weibliche Professorinnen in Mathematik und den Naturwissenschaften gibt, könne darin liegen, dass die Gehirne von Frauen nicht so entwickelt seien wie die von Männern. Eine der beim Essen anwesenden Professorinnen gab Summers’ Kommentar damals an die Presse weiter.

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Daniel Stähr

Daniel Stähr ist Ökonom und freier Autor. Er promoviert zum Thema Narrative Economics. Im März 2026 erscheint sein Buch »Die neuen Propheten. Wie Ökonomen unsere Zukunft verspielen« bei S. Fischer.

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