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Iran-Schock: Höhere Zinsen wären Wahnsinn

Der Iran-Krieg löst Inflation aus. Die EZB sollte es gar nicht erst erwägen, jetzt die Zinsen zu erhöhen.

3 Minuten Lesedauer

Die Europäische Zentralbank (EZB) sollte nicht mit einer Zinserhöhung auf gestiegene Energiepreise reagieren. Credit: IMAGO/Future Image

Hätten die Zwanzigerjahre ein Motto, müsste es lauten: Nach der Krise ist vor der Krise. Wie nach dem russischen Angriffskrieg in der Ukraine kommt es nun infolge des Angriffskriegs der USA und Israels im Iran erneut zu einer Energiepreiskrise. Während es für Preiskontrollen schon wieder zu spät ist, kann zumindest ein Fehler noch verhindert werden: dass die EZB in einen Angebotsschock hinein den Zinshammer auspackt. Das würde die Preisstabilität untergraben und die ohnehin schwache wirtschaftliche Entwicklung ausbremsen.

Inflation durch Angebot oder Nachfrage?

Die Reaktion auf eine Inflation und deren Erfolg hängen entscheidend von den Ursachen ab. Es können angebots- und nachfrageseitige Inflationen unterschieden werden. Geht der Teuerungsdruck von überschüssiger Nachfrage aus – zu viel Geld auf zu wenig Angebot –, kann die Zentralbank mit einer Leitzinserhöhung das Geld verteuern, Investitionen und Nachfrage verringern und somit den Druck auf das Angebot senken. 

Das schmutzige Geheimnis des Zinshammers: steigende Arbeitslosigkeit wird für die Preisstabilität als notwendiges Übel in Kauf genommen. Deshalb sagte der inzwischen von seinen Verbindungen zu Epstein eingeholte Ökonom Larry Summers während der Inflation 2022, es brauche für die USA mindestens »fünf Jahre Arbeitslosigkeit über fünf Prozent, um die Inflation einzudämmen«. Er lag falsch.

Denn wenn der Teuerungsdruck von der Angebotsseite ausgeht – nach 2021 nun zum zweiten Mal –, hat die Zentralbank gar keine Instrumente, um die Ursachen der Inflation zu bekämpfen. EZB-Chefin Christine Lagarde kann nicht die Straße von Hormus freimachen und die Energiepreise senken. 

Gegen eine angebotsseitige Kostendruckinflation braucht es Wirtschaftsnobelpreisträger Joseph Stiglitz zufolge fiskalische und regulatorische Maßnahmen. Zu diesen staatlichen Maßnahmen gehören die bereits freigegebenen strategischen Ölreserven, Preiskontrollen, Übergewinnsteuern oder als kleinster vorstellbarer Eingriff das Vorhaben der Bundesregierung, Preiserhöhungen an der Tankstelle auf einmal am Tag zu beschränken.

Die japanische Zentralbank zog als einzige Hüterin einer Leitwährung während der letzten Energiepreiskrise die richtige Konsequenz und rührte die Zinsschraube nicht an. Am Ende war die Inflation in Japan geringer als in der EU.

Inflation ist immer ein Preisproblem

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Max Hauser

Max Hauser ist Politökonom und Redakteur bei Surplus. Er hat Volkswirtschaftslehre in Berlin, Rom und Paris studiert.

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