Boden ist kein normales Gut. Er wird nicht produziert und lässt sich nicht vermehren. Dennoch steigt sein Wert regelmäßig – jedoch selten durch die Leistung der Eigentümer. Stattdessen treibt das Umfeld den Preis: neue Bahnlinien, Schulen, Kitas oder wachsende Städte. Diese Wertsteigerung entsteht durch öffentliche Leistungen; sie wird bisher aber vor allem privat abgeschöpft. Eine Bodenwertsteuer setzt genau hier an. Mit ihr könnten Kommunen infrastruktur- oder planungsbedingte Wertsteigerungen teilweise zurückholen und öffentliche Maßnahmen finanzieren.
Anders als die herkömmliche Grundsteuer belastet die Bodenwertsteuer nicht das Gebäude, das auf die Leistung der Erbauenden zurückgeht. Besteuert wird stattdessen ausschließlich der reine Wert des Grundstücks. Das verändert die Dynamik auf dem Markt grundlegend: Wer Wohnraum schafft, saniert oder aufstockt, wird dafür nicht steuerlich bestraft. Wer dagegen Baulücken hortet, Grundstücke brachliegen lässt oder Flächen unter Wert nutzt, zahlt wie bei einer optimalen Nutzung des Grundstücks.
Über diesen Nutzungsdruck treibt die Bodenwertsteuer gehortete Grundstücke in den Markt. Mehr verfügbares Bauland ist die notwendige Voraussetzung für mehr Wohnraum. Die Steuer bekämpft nicht nur Symptome, sondern setzt direkt am vorgelagerten Bodenmarkt an. Sie adressiert den strukturellen Engpass, der hohe Mieten und steigende Immobilienpreise zementiert.
Indem die Bodenwertsteuer einen Teil des – gemeinschaftlich geschaffenen – Bodenwertes an die öffentliche Hand umleitet, sinkt der Bodenwert in privater Hand. Die Folgen sind langsamer steigende oder gar sinkende Bodenpreise – und ein Markt, auf dem Spekulation endlich unattraktiv wird.
