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Das Wirtschaftsmagazin

Der große Hebel für transformative Bildung

Das Bildungssystem ist auf eine Wirtschaft ausgerichtet, die es nicht mehr gibt. Es ist Zeit für eine Neuausrichtung.

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Gelangweilte Schülerinnen im Klassenraum. Credit: IMAGO/ITAR-TASS
Schule muss nicht langweilig sein. Credit: IMAGO/ITAR-TASS

Die gegenwärtige Bildungspolitik folgt einem ökonomischen Paradigma, das seine Voraussetzungen verloren hat. Sie behandelt Schulen und Hochschulen, als ließe sich dort Humankapital für eine im Voraus bestimmbare Wachstumsökonomie produzieren. Lehrpläne, Kompetenzraster und Kennziffern unterstellen, dass »wir Alten« wüssten, welche Fähigkeiten künftige Märkte verlangen. In Zeiten sich überlagernder Krisen und radikaler Ungewissheit ist das nicht mehr haltbar.

So entsteht ein gefährlicher Widerspruch: Junge Menschen sollen sich an eine Wirtschafts‑ und Gesellschaftsordnung anpassen, die selbst ins Wanken geraten ist. Fähigkeiten, dieses Wanken zu deuten und zu gestalten, erwerben sie kaum. Das Alte reinstopfen und möglichst unverdaut wieder ausspucken, während draußen die Welt brennt – so schrumpfen die Räume des Denk‑ und Gestaltbaren, mit Folgen von Zukunftsängsten bis zur Anfälligkeit für einfache Heilsversprechen.

Nötig ist kein Feintuning, sondern ein Paradigmenwechsel. Bildung darf Menschen nicht länger in vorgegebene wirtschaftliche Zwecke hineindrängen. Sie muss anerkennen, dass die Welt im Kern ungewiss ist – auch die Zukunft von Arbeit, Wertschöpfung und Wohlstand –, und befähigen, im Hier und Jetzt gestaltungsfähig zu sein, damit neue, lebensdienliche Formen von Ökonomie überhaupt einen Nährboden gewinnen. Dafür braucht es transformatives Lernen: Erschütterung bisheriger Gewissheiten, Einnehmen vielfältiger Perspektiven, Entdecken neuen Sinns und die Fähigkeit, sich in komplexen Zusammenhängen wirksam zu engagieren, gehören ins Curriculum, gerade in der ökonomischen Bildung.

Der große Hebel: Schulen und Hochschulen sollten verpflichtet werden, einen »Tag der offenen Zukunft« einzuführen, an dem transformatives Lernen in Reallaboren erprobt wird, die das Ungewisse nicht negieren, sondern gestalten helfen – inklusive der Frage, wie wir Wirtschaft, Arbeit und Wohlstand künftig verstehen wollen. An den anderen Tagen können durch entrümpelte Lehrpläne und einen kritisch‑kreativen Umgang mit KI junge Menschen Schritt für Schritt von Bulimie‑Bildung entlastet werden.

Silja Graupe

Silja ist Professorin für Ökonomie und Philosophie und Präsidentin der Hochschule für Gesellschaftsgestaltung.

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