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Inflationsschock: Es braucht eine makroökonomische Krisenreaktion!

Aufgrund des Energiepreisschocks ist die Inflationsrate auf 2,7 Prozent gestiegen. Die Bundesregierung muss jetzt handeln, um eine Wirtschaftskrise zu verhindern.

3 Minuten Lesedauer

Achim Truger vor einer Tankstellensäule. Collage: Surplus, Material: IMAGO/onw-images
Collage: Surplus, Material: IMAGO/onw-images

Der von US-Präsident Donald Trump entfesselte völkerrechtswidrige Krieg gegen den Iran hat in der Region bereits große, auch zivile Zerstörungen und zahlreiche unschuldige Todesopfer gefordert. Aufgrund der iranischen Blockade der Straße von Hormus als zentraler weltwirtschaftlicher Energiehandelsroute sind die Öl- und Gaspreise durch die Decke gegangen.

Nachdem deutsche Verbraucher den Preisschock schon bald an der Zapfsäule spürten, liegt nun die erste amtliche Statistik vor: Das Statistische Bundesamt hat gestern die vorläufigen Inflationszahlen für den Monat März 2026 veröffentlicht. Demnach ist der Verbraucherpreisindex gegenüber dem Vorjahresmonat um 2,7 Prozent gestiegen, nachdem er im Februar noch bei moderaten 1,9 Prozent gelegen hatte. Ursächlich sind die stark gestiegenen Preise für Haushaltsenergie und Kraftstoffe, die nach spürbaren Rückgängen in den Vormonaten im März um satte 7,2 Prozent zugelegt haben. Noch ist das nur ein Monatswert und noch besteht die Chance, dass sich nach einem baldigen Kriegsende und einem Ende der Blockade der Straße von Hormus alles schnell wieder einrenkt. Der Preisschock bliebe dann lediglich eine kurze Episode. Dann könnte auch der für Deutschland aufgrund des Finanzpaketes und einer leichten außenwirtschaftlichen Erholung prognostizierte Aufschwung ohne größere Blessuren weitergehen. 


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Gefahr durch Rückfall in neoliberale Politikmuster 

Die Politik darf sich darauf jedoch nicht verlassen. Denn die aktuelle Konstellation birgt die Gefahr einer neuen Weltwirtschaftskrise. Daher muss die Politik in Deutschland wie der EU jetzt die Vorbereitungen für eine abgestimmte makroökonomische Krisenreaktion treffen. Diese betrifft die Geld- und Finanzpolitik ebenso wie die staatliche Preisregulierung und die Tarifparteien. Erschwert wird eine solche Reaktion allerdings durch die aktuell wieder dominierenden neoliberalen wirtschaftspolitischen Vorstellungen. Beredtes Zeugnis ist die extrem wirkmächtige Strukturreformdebatte. Sie wurde von der Wirtschaftslobby und den sie unterstützenden Ökonomen vom Zaun gebrochen und offenbart einen schädlichen Dogmatismus. Erschwerend kommt hinzu, dass die konservative neoliberale Seele schon seit der Finanzkrise, vor allem aber durch die notwendigen keynesianischen Krisenreaktionen in Folge der Corona-Pandemie und des Energiepreisschocks aufgrund des Ukraine-Kriegs stark strapaziert wurde.

Die Inflationsrate ist auf 2,7 Prozent gestiegen.
Quelle: Verbraucherpreisindex Destatis

Sie lechzt nun förmlich nach »Neoliberalismus pur«: Daher ist zu befürchten, dass die Befürworter einer solchen Wirtschaftspolitik großen Druck auf die Europäische Zentralbank ausüben und sie zu vorschnellen Zinserhöhungen in großer Höhe drängen werden. Kommt sie dem nach, könnte das die ohnehin schwächelnde Wirtschaft im Euroraum vollends erdrosseln. Und die Finanzpolitik, die sich als zentraler Akteur einer möglichen Energiepreiskrise entgegenstemmen müsste, droht im Euroraum durch irrationale Übertreibungen bei den Renditen der Staatsanleihen oder in Deutschland durch den neu entflammten Schuldenbremsen-Dogmatismus größtenteils auszufallen. So wurde das Sondervermögen für Infrastruktur und Klimaschutz zuletzt in völlig übertriebener Form kritisiert. Und eine mögliche Inanspruchnahme der Ausnahmeregel der Schuldenbremse wurde bereits früh pauschal als unzulässiger Versuch der politisch motivierten Mobilisierung von Haushaltsspielräumen verunglimpft. Wenn sich aber die Geldpolitik vorschnell auf Restriktion einschwingt, und die Finanzpolitik sich der Krise nicht entgegenstellt, droht eine weitere tiefe mehrjährige Wirtschaftskrise mit unabsehbaren sozialen und politischen Folgen.

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Achim Truger

Achim Truger ist Wirtschaftsprofessor an der Universität Duisburg-Essen, »Wirtschaftsweiser« und schreibt die Kolumne »Eine Frage des Geldes« bei Surplus.

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