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Das Wirtschaftsmagazin

Was wir von Keynes für die Klimawende lernen

Mit großer Klarheit erkannte Keynes, wie der Wiederaufbau nach dem Zweiten Weltkrieg gelingen kann. Seine Einsichten sind auch für die ökologische Transformation lehrreich. 

3 Minuten Lesedauer

Collage: Surplus, Material: IMAGO/Marc Stinger, IMAGO/United Archives International

Angesichts der wirtschaftspolitischen Herausforderungen durch die anstehende sozial-ökologische Transformation kann einem leicht angst und bange werden. In ziemlich kurzer Zeit muss der Ausstoß an Treibhausgasen drastisch vermindert und bis 2045 zügig weiter auf null reduziert werden. Damit verbunden ist eine weitreichende Transformation der Industrie mit gravierenden struktur- und regionalpolitischen Konsequenzen. Das ganze Energie- und Verkehrssystem muss umgestellt und der komplette Gebäudebestand saniert werden. All das muss in einer schweren Wirtschaftskrise angegangen werden, in der die deutsche Wirtschaft, gezeichnet von Corona- und Energiepreisschock, US-Zöllen und neuer chinesischer Konkurrenz, seit sechs Jahren in Summe nicht mehr wuchs. 

Rat vom Meister-Ökonomen

Bevor man in Schockstarre verfällt, kann es lohnenswert sein, sich jenseits der aufgeregten aktuellen Reformdebatten Rat bei den Klassikern der ökonomischen Zunft zu holen. Als besonders spannend erweist sich dabei wie so oft der britische Ökonom John Maynard Keynes (1883-1946), der mit seiner berühmten General Theory im Jahr 1936 und seiner Betonung der effektiven gesamtwirtschaftlichen Nachfrage die ökonomische Wissenschaft revolutionierte. Für Inspiration muss man sich aber nicht durch seine zuweilen schwer verständlichen wissenschaftlichen Texte quälen. Denn Keynes war seinerzeit unglaublich modern und sprach schon seit den 1920er Jahren häufig im Radio der BBC als damals neuem Medium, um seine Einsichten zu verbreiten. In einer Sendung am 23. März 1942, mit dem nüchternen Titel »Zur Frage der Finanzen«, spricht Keynes angesichts des tobenden Zweiten Weltkriegs seinen Landsleuten Mut zu und erläutert, wie der Wiederaufbau nach dem Krieg gelingen könne.

Mit unglaublicher Weitsicht erläutert er, dass sie keine Angst vor kühnen Nachkriegsplänen haben sollten und sich um deren Finanzierbarkeit nicht sorgen müssten: Der vom Krieg und seinen Zerstörungen gezeichneten Bevölkerung stellt er nicht nur einen Wiederaufbau von Wohnungen, Industrie und Verkehr in Aussicht, sondern mehr Wohlstand und Lebensqualität. Dazu gehörten eine moderne Stadtplanung, in jeder größeren Stadt eine Universität, sogar Erholungszentren mit Theatern und Museen, Restaurants und Cafés und das Ganze natürlich bei Vollbeschäftigung. Vieles davon wurde nach dem Krieg in Westeuropa tatsächlich so realisiert.

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Achim Truger

Achim Truger ist Wirtschaftsprofessor an der Universität Duisburg-Essen, »Wirtschaftsweiser« und schreibt die Kolumne »Eine Frage des Geldes« bei Surplus.

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