Miriam Davoudvandi erzählt in ihrem Buch Das können wir uns nicht leisten vom Aufwachsen in Armut: von alltäglichen Geldsorgen, der Scham, Freundinnen nach Hause einzuladen – und von einem Land, das diese Erfahrungen systematisch entpolitisiert. In Deutschland ist das Alltag für Millionen: Mehr als 21 Prozent der Menschen sind von Armut oder sozialer Ausgrenzung bedroht, jedes siebte Kind wächst armutsgefährdet auf. Im Surplus-Interview spricht die freie Journalistin über Scham als Herrschaftstechnik, über Entfremdung durch sozioökonomischen Aufstieg und über die Gewalt eines Systems, das Armut nicht bekämpft, sondern den Betroffenen anlastet.
In deinem neuen Buch schreibst du über dein Aufwachsen in Armut. Warum war jetzt der Moment, dieses Buch zu schreiben?
Weil ich selbst erst einmal bestimmte Prozesse durchgehen musste. Zu realisieren, dass man in Armut aufgewachsen ist, wird einem oft abgesprochen – und man spricht es sich auch selbst ab, als eine Art Überlebensmechanismus. Mir war das immer bewusst, aber wirklich in das Thema hineinzugehen, war sehr schmerzhaft. Dazu gehörten viele Gespräche mit meiner Familie. In vielen Familien wird über bestimmte Dinge nicht gesprochen, um sich gegenseitig nicht zusätzlich zu belasten und weiter funktionieren zu können. Ich habe mich davor lange gedrückt.
Miriam Davoudvandi: Das können wir uns nicht leisten
Was es bedeutet, in Deutschland arm zu sein. Erschienen am 18. März 2026 bei btb.
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