In der politischen Debatte über die Erbschaftsteuer taucht ein Argument immer wieder auf: Familienunternehmen müssten besonders geschützt werden. Schließlich, so heißt es, seien sie das Rückgrat der deutschen Wirtschaft. Ihre besondere Kultur, ihre langfristige Perspektive und ihre familiäre Verantwortung würden sie zu besseren Unternehmen machen – und im Erbfall die Nachfolger aus der Familie zu besseren Unternehmern.
Diese Erzählung ist politisch wirksam. Aber sie hält der Realität kaum stand. Zunächst einmal stimmt schon die implizite Annahme nicht, dass Familienunternehmen überwiegend von Familienmitgliedern geführt werden. In vielen großen und mittleren Familienfirmen sitzt längst ein externes Management an der Spitze. Selbst von den 100 größten Familienunternehmen – wozu übrigens Riesenfirmen wie Rossmann, Lidl und Tengelmann gehören – wird nur ein Drittel von Mitgliedern der Unternehmerfamilie geführt, der Rest sind extern angeheuerte oder intern beförderte CEOs. Und: Der Anteil externer Nachfolgen steigt seit Jahren. Weil sich in Unternehmerfamilien kein Nachfolger findet oder weil Professionalität wichtiger wird als familiäre Kontinuität.
