Die kürzlich erfolgte Fusion von SpaceX und xAI, ein finanzielles Spektakel, das von den üblichen Kreisen mit Jubel begrüßt wurde, ist eine Wohltat für die Augen. Genauer gesagt ist es ein Anblick für Augen, die noch immer schmerzen von dem, was sie vor etwa 25 Jahren miterlebt haben, als die Perfektionierung der dunklen Kunst der Unternehmensfusionen durch die Wall Street falsche Bewertungen in die Stratosphäre schickte, bevor sie wieder auf die Erde zurückfielen. Während Elon Musk Kasse macht, bleiben wir zurück und starren auf einen immerwährenden Makel des modernen Kapitalismus: einen Markt, der immer darauf aus ist, seine eigenen Illusionen zu kaufen.
Wie alle großangelegten Betrügereien kommt auch diese mit einem pseudowissenschaftlichen Deckmantel daher: dem rührenden Glauben, dass der Aktienkurs eines Unternehmens der beste Indikator für seinen zugrunde liegenden Wert ist – ein rationaler Prädiktor für seinen zukünftigen Reichtum, seine Gesundheit und seine Rentabilität. Die Tatsache, dass die kreative Berechnung hinter der Bewertung von SpaceX-xAI in Höhe von 1,25 Billionen Dollar unangefochten blieb, lässt sich mit zwei Worten erklären: motivierte Irrationalität.
An der Motivation besteht kaum Zweifel, angesichts der Millionen, die die vielen Finanziers damit verdienen können. Was die Irrationalität der Bewertung angeht, so wird sie deutlich, wenn man sich die Ähnlichkeiten mit der betrügerischen Arithmetik ansieht, die einst die Fusionen von AOL-Time Warner und Daimler-Chrysler vorangetrieben hat.
Zunächst muss jedoch ein allgemeinerer Punkt hervorgehoben werden: In den meisten Fällen sind Aktienkurse manipuliert. Deshalb sind sie selbst im Durchschnitt ein schlechter Indikator für die Rentabilität und haben sich zum wichtigsten Instrument für den Transfer von Vermögen nach oben entwickelt, während sie gleichzeitig die systemische Fäulnis als Wunder des Marktes tarnen. Die Fusion von SpaceX und xAI erzählt viel von dieser traurigen Geschichte. Die Praxis des Aktienrückkaufs erzählt den Rest.
An Aktienkurse muss man glauben
Beginnen wir mit der Logik hinter Musks gigantischer Fusion, die an ihre Vorläufer in den späten 1990er und frühen 2000er Jahren erinnert. Um zu verstehen, wie dieser kaum verhüllte Betrug funktioniert, betrachten wir zwei Widget-Hersteller: Goodwidget, ein altes, langweiliges Unternehmen mit einer soliden Erfolgsbilanz, und AIwidget, ein trendiger Newcomer. Goodwidget, ein 30 Jahre altes Unternehmen mit einem Jahresgewinn (E) von 5 Milliarden Dollar und einer jährlichen Wachstumsrate von 10 Prozent, hat eine Kapitalisierung (K) von 50 Milliarden Dollar, was ein vorsichtiges Verhältnis von Kapitalisierung zu Gewinn (K/E) von 10:1 bedeutet. AIwidget hingegen gibt es erst seit etwa einem Jahr und hat in dieser Zeit 2 Milliarden Dollar verdient. Aufgrund der optimistischen Prognosen hinsichtlich seiner Fähigkeit, von einer KI-gestützten Zukunft zu profitieren, beträgt seine Kapitalisierung jedoch 100 Milliarden Dollar, was einem schwindelerregenden K/E-Verhältnis von 50:1 entspricht.
Ein rational denkender Mensch würde Goodwidget wohl als die sicherere Wahl ansehen. Aber die Wall Street sieht das anders. Eine vernünftige Bewertung des fusionierten Unternehmens würde einfach die beiden Kapitalisierungen addieren: 50 Milliarden Dollar + 100 Milliarden Dollar = 150 Milliarden Dollar. Zu zaghaft! Für die Wall Street lautet das Motto »Multiplikation statt einfacher Addition«. Stattdessen addieren sie die Gewinne der beiden Unternehmen (5 Milliarden Dollar + 2 Milliarden Dollar = 7 Milliarden Dollar) und multiplizieren die Summe mit dem höheren K/E-Verhältnis – dem des überschwänglichen AIwidget. Die Marktkapitalisierung des neuen Unternehmens steigt um satte 200 Milliarden Dollar auf 350 Milliarden Dollar (50:1 x 7 Milliarden Dollar). Das fusionierte Unternehmen, das von der Finanzfee besucht wurde, reitet auf der Welle des Hypes, der den Marktwert von AIwidget kurz vor der Fusion in die Höhe getrieben hat.
