Diese Woche hielt der kanadische Premierminister Mark Carney eine nahezu makellose Rede über die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der aktuellen Weltordnung. Es handelt sich um einen Text, der mit ziemlicher Sicherheit von zukünftigen Historikern zitiert werden wird. Das einzige Problem war der Veranstaltungsort: das jährliche Treffen der Reichen und Mächtigen des Weltwirtschaftsforums in Davos, Schweiz.
Das WEF wurde 1971 von Klaus Schwab gegründet, der die Welt verändern wollte, indem er Führungskräfte aus Wirtschaft, Politik, Wissenschaft und »anderen Bereichen der Gesellschaft« zusammenbrachte – ein Leitbild, das von unzähligen gemeinnützigen Organisationen übernommen wurde. Aber immer fehlte in dieser Liste die Gesellschaft: all diejenigen, die in den Ländern leben, in den Unternehmen arbeiten oder in den Klassenzimmern der Führungskräfte sitzen, denen es leichter fällt, miteinander zu reden, als den einfachen Menschen zuzuhören.
Treffen im Hinterzimmer
Die Teilnahme am WEF ist nicht billig. Zusätzlich zu den jährlichen Mitglieds- und Partnerschaftsbeiträgen in Höhe von 60.000 bis 600.000 CHF (62.000 bis 622.000 USD) zahlen die Mitglieder rund 27.000 USD für jeden Delegierten, den sie nach Davos entsenden. Eingeladene Gäste mit geringeren finanziellen Mitteln – viele von ihnen aus dem akademischen Bereich – können zwar kostenlos teilnehmen, aber nur, weil sie dort für Unterhaltung sorgen, wenn die anderen Teilnehmer nicht gerade in den Hinterzimmern fernab vom Trubel mit Besprechungen beschäftigt sind. (Ich spreche aus Erfahrung, da ich einmal als Gast dabei war.)
Offiziell geht es beim WEF nicht um Geschäftsabschlüsse, sondern um den Austausch von Ideen und die Förderung des Dialogs zwischen den Interessengruppen, um die Welt zu einem besseren Ort zu machen. Aber wo sonst findet man so viele mächtige Menschen an einem Ort, die lange genug zusammenkommen, um mögliche Geschäfte zu erkunden? Tatsächlich ist das WEF stolz darauf, »1988 zur Entspannung der Beziehungen zwischen Griechenland und der Türkei beigetragen zu haben«, »den friedlichen Übergang Südafrikas durch Treffen zwischen Nelson Mandela und F. W. de Klerk unterstützt zu haben« und »die Zusammenarbeit von Regierungen und Industrie bei der Umstellung auf eine grüne Wirtschaft erleichtert zu haben«.
In dieser Liste fehlen andere Geschäfte, die möglicherweise nie bekannt geworden sind. Zu den bekannt gewordenen gehört das berüchtigte »Kredite-für-Aktien«-Programm von 1996, mit dem die Wiederwahl des russischen Präsidenten Boris Jelzin unterstützt werden sollte, indem seiner Regierung kurzfristige Kredite gewährt wurden, im Gegenzug dafür, dass eine Gruppe gut vernetzter Banker die Kontrolle über die wertvollsten natürlichen Ressourcen des Landes (Öl, Aluminium, Nickel und Gas) erlangen durfte. Dieser Deal mag die junge Demokratie Russlands vorübergehend gerettet haben, aber er schuf auch die Oligarchie, die Wladimir Putin den Weg zur Wiederherstellung der Autokratie ebnete.
