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Das Wirtschaftsmagazin

40 Prozent der Baby-Boomer droht eine Mini-Rente von unter 800 Euro

Eine aktuelle Berechnung zeigt: Fünf Millionen Rentnerinnen und Rentner dürften bald in die Armut rutschen. Die hohen Mieten verschlimmern das noch.

3 Minuten Lesedauer
Renter und Rentnerin spazieren an einem Fluss. Credit: IMAGO/Sven Simon
Die Rente wird immer mehr zur Armutsfalle. Credit: IMAGO/Sven Simon

Gut fünf Millionen Babyboomer werden laut Berechnungen des Pestel-Instituts nach ihrem Ausscheiden aus dem Arbeitsleben nur Mini-Renten von weniger als 800 Euro im Monat beziehen. Das wären demnach etwa 40 Prozent der etwa 12,9 Millionen Menschen, die in den nächsten zehn Jahren in Rente gehen werden. Auftraggeber war die Gewerkschaft IG Bau. Deren Vorsitzender Robert Feiger warnte vor steigenden Sozialausgaben: »Mit so einer Niedrigrente werden viele Betroffene dauerhaft auf Hilfe vom Staat angewiesen sein.« Spätestens die Miete werde einen Großteil der Babyboomer dann in die Wohnarmut drängen. Von niedrigen Renten seien sowohl Frauen als auch viele Männer betroffen, sagte Matthias Günther, der Leiter des Pestel-Instituts. Als Gründe nannte der Ökonom Teilzeitjobs, Arbeitslosigkeit oder auch Niedriglohnbeschäftigung über viele Jahre. 

Ohne Gegenmaßnahmen werde die Altersarmut steigen

Viele Arbeitnehmer werden zwar nicht allein auf die gesetzliche Rente angewiesen sein, weil sie Anspruch auf eine Betriebsrente haben, Mitglied in einem berufsständischen Versorgungswerk sind oder auch privat eine Lebensversicherung abgeschlossen haben – doch Niedrigverdiener haben häufig weder privat vorgesorgt noch Anspruch auf eine Betriebsrente, so Günther. Würden keine Maßnahmen wie etwa eine deutlich über der Grundsicherung liegende Grundrente ergriffen, könnte die Altersarmut weiter steigen. »Und arm im Alter heißt arm bis zum Tod.«

Der Anteil der auf Grundsicherung angewiesenen Rentner sei bereits in den letzten 15 Jahren von 2,5 auf 4,3 Prozent gestiegen, sagte IG‑Bau-Chef Feiger. Die Schere zwischen der Rente und steigenden Wohnkosten werde für die kommende Rentnergeneration immer weiter auseinandergehen. »Die Rente muss im unteren Bereich steigen«, fordert der Gewerkschaftschef. »Hohe Renten können im Gegenzug sinken.«

Enorme Sorgen in der Bevölkerung

Rund 70 Prozent der Bundesbürger vor dem Renteneintritt sorgen sich nach einer aktuellen Umfrage um ihre eigene finanzielle Lage im Alter. In der Altersgruppe der 18- bis 29-Jährigen sind 75 Prozent deshalb eher oder sehr besorgt, wie die Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov ergab, die von Lichtblick Seniorenhilfe in Auftrag gegeben wurde und der Deutschen Presse-Agentur (dpa) vorliegt. Der Auftraggeber ist ein Verein gegen Altersarmut.

Auch in den Altersgruppen bis 69 geben jeweils über 70 Prozent der Befragten an, solche Sorgen zu haben. In der Altersgruppe 70plus sind nur 55 Prozent entsprechend Ihrer momentanen Situation finanziell besorgt.

Breite Ablehnung für weitere Erhöhung des Renteneintrittsalters

88 Prozent der Befragten halten Altersarmut generell für ein großes Problem in Deutschland. 92 Prozent gehen davon aus, dass sie in den kommenden zehn Jahren häufiger vorkommen wird als heute. 73 Prozent der Bundesbürger halten mindestens 1.500 Euro netto im Alter für das Minimum, um im Rentenalter den Lebensunterhalt zu bestreiten. 73 Prozent lehnen eine weitere Erhöhung des Renteneintrittsalters ab.


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